Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Usuigtums unter den Staufern. 139 
Pfaffen- und Laienfürsten den gleichen Eid verlangte, der dann 
binnen sechs Wochen auch von deren Untergebenen geschworen 
werden mußte, bei Verlust ihrer Lehen, ihres Schildesamts 
oder ihres kirchlichen Dienstes. Ein neuer Aufschwung papst⸗ 
feindlicher Gesinnung folgte dem verzweifelten Mittel des Ge— 
wissenszwangs; gefeiert wurde er gegen Ende des Jahres 1165 
durch die festliche Erhebung der Gebeine Karls des Großen im 
Achener Münster und durch Heiligsprechung des großen Laien— 
theokraten von seiten des kaiserlichen Papstes. 
Auch nach außen wirkte die verwegene Politik Reinalds 
mit Entschiedenheit. Heinrich II. von England zwang die 
Franzosen, ihre stark ausgesprochene Stellung zu Gunsten 
Alexanders II. fallen zu lassen; Alexander mußte Frankreich 
verlassen, auf normannischem Schiffe kehrte er am 28. November 
1165 in abenteuerlicher Fahrt nach Rom zurück. Es war ein 
für die deutsche Politik entscheidendes Ereignis; jetzt galt es, 
den Papst in erneuter Romfahrt heimzusuchen. 
Für dies Vorhaben mußte die Lage in der Lombardei von 
größester Bedeutung sein. Sie war aber zu Beginn des Jahres 1166 
keineswegs mehr dieselbe, wie im Jahre 1162, nach der Er— 
oberung Mailands. Kaiser Friedrich war, wie gegen Crema, so 
—D chrecklicher Strenge vorgegangen. 
Die Stadt wurde völlig zerstört; wochenlang lagerte der Rauch 
verbrannter Häuser über der Gegend. Die Einwohner wurden 
davongetrieben und in vier Flecken verteilt zu agrarischem Be— 
triebe angesiedelt. 
Es war anscheinend System in diesen Barbareien. Friedrich 
hatte das Land geldwirtschaftlich organisieren, wenigstens die Städte 
der Feudalverfassung eigenartig einordnen wollen: es war nicht 
gelungen. Ergrimmt über den Widerstand der Städte gegenüber 
feinen unzureichenden Versuchen, schien er sich jetzt dem ungeheuer⸗ 
lichen Gedanken hingeben zu wollen, die neue wirtschaftliche Kultur 
der Bevölkerung überhaupt zu vernichten: sie sollte natural— 
wirtschaftlich weiter leben, wie die deutsche, sie sollte die Unterlage 
bieten für die Entfaltung einer umfass enden kaiserlichen Domanial⸗ 
wirtschaft. Es versteht sich, daß diesen Plänen über kurz oder lang
	        
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