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Neuntes Buch. Erstes Kapitel.
ihnen, namentlich für die Fuhrung der nunmehr aufdämmernden
Kämpfe gegen ihre Residenzstädte, wesentliche Zugeständnisse
gemacht wurden. Und diese Konzessionen wieder hatten weitere
Nachgiebigkeiten gegen die Laienfürsten zur Folge, sollte anders
das Gleichgewicht unter den Machtfaktoren des Reiches erhalten
—
Kaiser gestört zu werden, die Grundlagen seines überelbischen
Kolonialreichs.
Und was ward schließlich mit alledem erreicht? Der deutsche
Klerus begann gleichwohl Gedanken des Friedens zu wandeln;
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schließlich, daß seine Machtstellung dauernd am besten gesichert
sei, wenn er, weder dem Kaiser noch dem Papste voll hingegeben,
vielmehr als Regulator zwischen den obersten geistlichen und
weltlichen Gewalten diene. Es waren Stimmungen, die in
Deutschland das Übergewicht zu erhalten drohten in dem Augen—
blicke, da Viktor IV. starb (20. April 1004); und auch der
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Da hat Reinald den Fortgang seiner Politik durch eine
unerhörte Eigenmächtigkeit gesichert. Ehe noch der Kaiser seine
Meinung geäußert hatte, ließ er in Paschalis III. einen neuen
Gegenpapst wählen: das Schisma war verlängert.
Und nun versuchte Reinald von neuem, einen der welt—
lichen Könige für seinen Papst zu gewinnen. Und diesmal mit
Glück. Heinrich II. von England, wegen der Konstitutionen
von Clarendon mit Thomas Becket, dem alexandertreuen Erz⸗
bischof von Canterbury, zerfallen, verpflichtete sich im Frühjahr
1165 zur Anerkennung Paschalis III. unter der Bedingung,
daß der Kaiser für diesen endgültig und auf immer eintrete.
Es war eine Bedingung, die in Reinalds Hand zu der
Waffe ward, mit der er alle friedseligen und schwankenden
Gemüter in Deutschland, vor allem den Kaiser selbst, bei seiner
radikalen Politik festhielt. Auf dem Würzburger Reichstage,
Pfingsten 1165, gelang ihm das Unglaubliche, den Kaiser
zu einem persönlichen Schwure zu vermögen, daß er niemals
einen anderen Papst anerkennen werde, als Paschalis oder dessen
Nachfolger. Ja noch mehr: er setzte durch, daß der Kaiser von