Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 143 
Grundherrschaften und Lehen in Schwaben und am Oberrhein: 
es galt die staatlichen Hoheitsrechte in diesen Gegenden durch 
materiellen Besitz zu stützen. Darüber hinaus ging es, wenn 
Friedrich um diese Zeit die Besitzungen der süddeutschen und 
stalienischen Welfen erwarb, das erledigte Herzogtum Schwaben 
an sich brachte und die noch immer starken Rechte der Zähringer 
auf Oberburgund durch Verleihung des Bistums Lüttich an 
einen Angehörigen des zähringischen Hauses abzufinden suchte. 
Nun war er wahrhaft unmittelbarer Beherrscher des deutschen 
Südwestens, und darüber hinaus erstreckte sich sein direktes Macht— 
gebot weit südwärts bis zur burgundischen Provence, deren 
Gewalthaber während des Investiturstreites fast durchweg 
vpäpstlich gesinnt gewesen waren. 
All diese Machtverschiebungen, die Stärkung des König— 
tums, die Aussöhnung Heinrichs des Löwen vornehmlich mit 
dem norddeutschen Episkopate, wirkten nun, zumal nach Reinalds 
Tode, auf die deutsche Kirche in dem Sinne zurück, daß die 
gemäßigte Gruppe der Bischöfe, deren Ziel der Friede zwischen 
Sacerdotium und Imperium war, wieder mehr hervortrat: 
man hoffte auf dieser Seite eine Versöhnung zwischen dem 
Kaiser und Alexander III. zu stande bringen zu können, falls 
der Papst seine Verbindung mit den Lombarden aufgäbe, und 
man begann in diesem Sinne Anfang des Jahres 1170 zu 
verhandeln. Vergebens. Alexander III. beharrte darauf, die 
Lombarden in die Verhandlungen einzuschließen, er war von 
seinen Landsleuten nicht zu trennen: der Zusammenhang zwischen 
den Kämpfen des Papsttums und der italienischen Nationalität 
gegenüber der deutschen Herrschaft, schon in den Zeiten des 
Investiturstreites gelegentlich wahrnehmbar, trat nun deutlich 
hervor. 
Die deutschen Bischöfe begriffen, daß es nur ein Mittel 
gäbe, Papst und Kaiser einander zu nähern: Kampf und Sieg 
Iber die Lombarden. So waren sie zur Unterstützung Friedrichs 
in Oberitalien bereit; von neuem begann der Krieg gegen die 
Städte.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.