Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 163
den deutschen Boden von neuem in dem Augenblick etwa, da
Heinrich der Löwe seinem Alter erlag. Den außerorden tlichsten
Plan brachte er mit sich. Als Kaiser und erblicher Herrscher
Siziliens von dem großen Gedanken einer abendländischen
Universalherrschaft getragen, konnte er Deutschland für diese
nicht entbehren: dauernd verbinden aber konnte er Deutschland
mit Sizilien nur, wenn er es zum Erbreich seines Hauses um—
schuf. So begann er Verhandlungen mit den Fürsten, um
das bisherige deutsche Wahlkönigtum in ein Erbkönigtum der
Staufer zu verwandeln. Als wertvolle Morgengabe wollte
er Sizilien der neuen Monarchie einbringen; gewichtige
Vorteile sollten Laienfürsten und Pfaffenfürsten davontragen,
die Aufhebung des Spolienrechts, die Vererblichkeit der Lehen
auf Seitenlinien und Töchter. Es sind die Zugeständnisse, die
das französische Königtum seinen Lehnsträgern hatte machen
müssen: sie haben die Ausbildung einer starken Monarchie in
Frankreich nicht verhindert.
Im April 1196 waren so viele Fürsten gewonnen und
eingeschüchtert, daß Heinrich seine Absicht auf einem Reichstag zu
Wuͤrzburg öffentlich darlegen konnte; zweiundfünfzig jener Fürsten,
die den König zu wählen pflegten, sollen ihm zugestimmt haben.
Aber aus Sachsen und vom Niederrhein, aus den peripherischen
Ländern der staufischen Herrschaft meldete sich Widerspruch;
Heinrich, der dringlichere Absichten in Italien hatte, wollte sich
nicht aufhalten lassen; er begnügte sich mit der einstimmigen
Königswahl seines zweijährigen Knaben Friedrich, die praktisch
auf weite Zeiten hin dieselbe Wirkung zu haben schien, wie die
Vegründung erbköniglicher Rechte.
Noch vor dieser Wahl war Heinrich wieder in Italien.
Er plante einen Kreuzzug zur Vernichtung auch des geistigen
Einflusses des Papsttums und zur Betonung universaler Gewalt
im Morgenland. Pilgerscharen über Pilgerscharen ließ er auf
seinen Schiffen von Apulien nach Palästina befördern, während
er selbst noch von Italien aus die diplomatischen Vorbereitungen
für sein Erscheinen im Orient traf. Er forderte Tribute ein
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