168 Neuntes Buch. Zweites Kapitel.
—DD—— vertriebenen, ver⸗
bannten Krieger, der sich elend außer der Heimat behelfen muß,
im Mittelhochdeutschen dagegen den fremden Helden, der die
Lust abenteuernden Lebens genießt; und nicht umsonst heißt
erfahren zunächst erwandern!.
Vor allem wirkten die neuen Erfahrungen der Kreuzzüge
auf religiösem Gebiete. War den Völkern des Occidentes die
römische Kirche bisher als die einzige religiöse Heilsanstalt
erschienen, außer der keine zweite zu denken sei, hatte noch
Hrotsuit die orientalischen Mohammedaner so wenig von den
Heiden, die alle als Atheisten gedacht wurden, unterschieden,
wie die frühesten Dichtungen der Karlssage die spanischen
Sarazenen, so lernte man nun in der griechischen Kirche immer
mehr eine Schwesterkirche der römischen Kirche kennen und
konstruierte sich auch die religiösen Einrichtungen und An—
schauungen der Muslemin nach christlichem Beispiel?; die
heimische Kirche erschien nicht mehr als allbeherrschendes Institut
des irdischen Daseins.
Es war eine geistige Haltung, die ohne weiteres der Eman⸗
zipation des nationalen Gedankens aus dem christlichen zu gute
kommen mußte, zumal die Nationen gleichzeitig vermöge ihrer
wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung dem Charakter einheit—
licher Körper entgegenreiftens; nicht zufällig singt Walther von
der Vogelweide unser erstes Nationallied“ und wird schon vor
seiner Zeit das patriotisch-staufische Drama vom Ende des römischen
Kaisertums und der Erscheinung des Entchrists gedichtet.
Vor allem aber war es eine Richtung, die zur Abwendung
vom speziell Kirchlichen führte: denn noch waren Christentum
und Kirchentum vollkommen identisch, ging christliches Denken
auf in kirchlicher Haltung. Eine Abwendung von der Kirche
Auch got. lais geht wohl auf die Bedeutung „erwandert haben“
zurück, vgl. „Geleise“.
2 Vgl. z. B. Wolfram von Eschenbach, Parzival J, 886: 2e Baldac
nement se ir babestreht.
3 Für Deutschland, s. oben S. 85 ff.
Vgl. Band LS. 15.