Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

266 
Neuntes Buch. Viertes Kapitel. 
27. Juli 1214; sie brachte der englischen Seite und mit ihr 
dem Kaiser Otto eine volle Niederlage. Damit war der 
Weg der Kreuzfahrt frei für die papstfreundlichen Mächte Frank— 
reich und Deutschland, und Friedrich II. nahm auf einer noch— 
maligen Krönung zu Achen, am 285. Juli 1215, das Kreuz, 
während Kaiser Otto, von allen außer seinem Bruder Heinrich 
verlassen, auf seiner Burg zu Braunschweig einem einsamen Ende 
entgegensah. 
Innocenz II. aber krönte die Fülle seiner Erfolge durch 
das große Laterankonzil des Jahres 1215. Hierzu strömte 
die ganze kirchliche Welt in Rom zusammen; 71 Erzbischöfe und 
Patriarchen, 412 Bischöfe, über achthundert Äbte und Prioren 
harrten der Stimme des Papstes; fast alle Herrscher des Abend— 
landes, die Fürsten von Byzanz, Cypern, Jerusalem hatten Ge 
sandtschaften entboten. Es war der Höhepunkt des mittelalter— 
lichen Papsttums, außer wichtigen kirchlichen Beschlüssen kam 
es zur feierlichen Verküundung des großen Kreuzzugs auf den 
1. Juli 1217. 
III. 
Am 13. Juli 1216 starb Innocenz III. Sein Nachfolger, 
Honorius III., war ein Greis, der, aufgewachsen in der Routine 
der kurialen Verwaltung, ein trefflicher Beamter, kein Politiker, 
nicht geeignet war, das reiche Gedankenkapital, das Innocenz 
aufgehäuft hatte, Zinsen tragen zu lassen. 
Friedrich I. atmete auf. Hatte Innocenz seinem Ehrgeiz 
kein anderes Ziel gezeigt, als das eines Kreuzzuges unter 
päpstlicher Führung: jetzt wollte er zunächst für sich und sein 
Geschlecht sorgen. Die wichtigste Aufgabe war dieselbe, wie schon 
unter Heinrich VI. und Otto, die Ordnung des staatsrechtlichen 
Verhältnisses des Reiches zu Sizilien. Und schon war in den 
Versuchen seiner Vorgänger das Notwendige klar gezeigt: 
Friedrich mußte die gleiche Verfügungsgewalt über Sizilien 
wie das Reich zu erringen suchen. Dem hatten Papst wie 
Fürsten bisher widerstrebt; noch kurz vor seinem Tode hatte sich 
Innocenz von Friedrich versprechen lassen, daß er Sizilien von
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.