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Neuntes Buch. Viertes Kapitel.
27. Juli 1214; sie brachte der englischen Seite und mit ihr
dem Kaiser Otto eine volle Niederlage. Damit war der
Weg der Kreuzfahrt frei für die papstfreundlichen Mächte Frank—
reich und Deutschland, und Friedrich II. nahm auf einer noch—
maligen Krönung zu Achen, am 285. Juli 1215, das Kreuz,
während Kaiser Otto, von allen außer seinem Bruder Heinrich
verlassen, auf seiner Burg zu Braunschweig einem einsamen Ende
entgegensah.
Innocenz II. aber krönte die Fülle seiner Erfolge durch
das große Laterankonzil des Jahres 1215. Hierzu strömte
die ganze kirchliche Welt in Rom zusammen; 71 Erzbischöfe und
Patriarchen, 412 Bischöfe, über achthundert Äbte und Prioren
harrten der Stimme des Papstes; fast alle Herrscher des Abend—
landes, die Fürsten von Byzanz, Cypern, Jerusalem hatten Ge
sandtschaften entboten. Es war der Höhepunkt des mittelalter—
lichen Papsttums, außer wichtigen kirchlichen Beschlüssen kam
es zur feierlichen Verküundung des großen Kreuzzugs auf den
1. Juli 1217.
III.
Am 13. Juli 1216 starb Innocenz III. Sein Nachfolger,
Honorius III., war ein Greis, der, aufgewachsen in der Routine
der kurialen Verwaltung, ein trefflicher Beamter, kein Politiker,
nicht geeignet war, das reiche Gedankenkapital, das Innocenz
aufgehäuft hatte, Zinsen tragen zu lassen.
Friedrich I. atmete auf. Hatte Innocenz seinem Ehrgeiz
kein anderes Ziel gezeigt, als das eines Kreuzzuges unter
päpstlicher Führung: jetzt wollte er zunächst für sich und sein
Geschlecht sorgen. Die wichtigste Aufgabe war dieselbe, wie schon
unter Heinrich VI. und Otto, die Ordnung des staatsrechtlichen
Verhältnisses des Reiches zu Sizilien. Und schon war in den
Versuchen seiner Vorgänger das Notwendige klar gezeigt:
Friedrich mußte die gleiche Verfügungsgewalt über Sizilien
wie das Reich zu erringen suchen. Dem hatten Papst wie
Fürsten bisher widerstrebt; noch kurz vor seinem Tode hatte sich
Innocenz von Friedrich versprechen lassen, daß er Sizilien von