Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

268 Nenntes Buch. vViertes Kapitel. 
sie erreicht; dem Papst blieb nichts übrig, als sie anzuerkennen, 
Friedrich zum Kaiser zu krönen (22. November 1220) und die 
Union Siziliens mit der Kaiserkrone zu gestatten: seitdem nennt 
sich Friedrich Imperator et rex dicilias und wird vom Papste 
so genannt: die Vorbedingung einer universalen Politik, wie 
sie Heinrich VI. gewonnen und Otto erstrebt hatte, war von 
neuem errungen. 
Freilich: mit welchen Verlusten der deutschen Königsgewalt 
war dies Ziel erreicht worden! Friedrich hatte die geistlichen 
Fürsten, die Mehrheit der Königswähler, zur Kur Heinrichs 
geneigt nur machen können durch ein Privilegium (vom 26. April 
1220), das die nahezu selbständige Gewalt der Pfaffenfürsten 
in Deutschland begründete. Es hatte noch wenig zu bedeuten, 
daß die Bistümer durch dies Privileg sichergestellt wurden vor 
den Angriffen ihrer weltlichen Vögte, die sie häufig genug 
bedrückten; auch das ließ sich noch hören, daß den bischöflichen 
Grundherrschaften Schutz geboten werden sollte gegen das Weg— 
laufen ihrer Grundholden in die Städte. Weit darüber hinaus 
aber ging es, wenn festgesetzt ward, daß niemand auf bischöf— 
lichem Lande Zölle und Münzstätten, sowie Städte, Dörfer und 
Burgen anlegen dürfe ohne Erlaubnis des Bischofs, wenn in 
den großen Städten, soweit sie Sitze von Bischöfen waren, jede 
regelmäßige Einwirkung der königlichen Verwaltung aufgehoben 
ward. Das bedeutete die finanzielle und militärische Verselb— 
ständigung der geistlichen Territorien, es bedeutete zugleich die 
Parteinahme des Königtums ausschließlich zu Gunsten der 
Fürsten in der bevorstehenden Auseinandersetzung zwischen 
Bürgertum und Landesgewalt. 
Freilich — der Gedanke einer staufischen Universalpolitik 
war durch diese Zugeständnisse gesichert. Und alsbald nahm 
diese Politik, nunmehr freier Entfaltung zugeführt, eine Wen— 
dung, die schon unter Heinrich VI., ja vielleicht schon unter 
Friedrich J. zu bemerken war. Friedrich II. dachte nicht daran, 
den versprochenen Kreuzzug noch als getreuer Diener des Papst— 
tums durchzuführen: als Herr des Occidents wollte er im 
Orient erscheinen, ihn aus eigner Gewalt unterjochen. Hierzu
	        
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