Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Zerfall des Reiches. 
bedurfte es allerdings noch einer erneuten Sammlung der 
kaiserlichen Kräfte und dazu wiederum noch weiteren Aufschubes 
des Kreuzzugs: die aus diesem Zusammenhang abgeleiteten 
Gedanken beherrschen die kaiserliche Politik der nächsten Jahre. 
Friedrich begann mit einer Reorganisation des sigzilischen 
Reiches; er unterwarf die Sarazenen, ordnete die Finanzen 
Apuliens, legte endlich mit jenem absolutistischen Organisations— 
talent, das ihn auszeichnete, die ersten Grundlagen rein staat⸗ 
licher Beamtenjustiz und Beamtenverwaltung. 
Inzwischen litt der Damiatiner Kreuzzug kläglich Schiff— 
bruch. Im Sommer 1221 brach das Heer von Damiette gegen 
Kahira auf, nach dem vielfach bestrittenen Rate des päpstlichen 
Legaten. Der Zug mißlang, Unglück folgte auf Unglück, die 
Christen wurden völlig zurückgedrängt, am 8. September 1221 
hielt der ägyptische Sultan Kamel seinen Einzug in Damiette. 
Gleichwohl ließ sich Friedrich im Jahre 1228 vom Papste 
in einer Zusammenkunft zu Ferentino den Termin seiner Kreuz⸗ 
fahrt um abermals zwei Jahre verlängern: er wußte wohl, 
daß jedes weitere Jahr des Aufschubs den Kreuzzug, den alle 
Welt von ihm erwartete, zu einem immer mehr kaiserlichen 
Unternehmen machen mußte. In der That folgte bald ein 
Ereignis, das ein so charakterisiertes Eingreifen Friedrichs 
noch weiter vorbereitete; am 9. November 1225 vermählte sich 
der Kaiser mit Jolanthe, der Tochter Johanns von Brienne, 
des Titularkönigs von Jerusalem, nachdem sich Jolanthe vorher 
zu Jerusalem hatte krönen lassen. 
Inzwischen hatte sich Friedrich in einem Vertrage mit dem 
Papste, der in San Germano abgeschlossen ward, nochmals einen 
Aufschub seiner Kreuzfahrt um zwei Jahre erwirkt, freilich unter 
Bedrohung mit dem Banne im Falle nochmals erneuten Ver— 
zuges: er wollte vor dem Kreuzzuge außer Sizilien auch die 
Lombardei seiner vollen Herrschaft sichern. 
Hier aber stieß er auf Widerstand. Drohend erhob sich 
unter der Führung Mailands von neuem ein lombardischer 
Städtebund und verhinderte den Einmarsch eines deutschen 
Kontingentes über die Alpen. Friedrich befürchtete weitere
	        
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