Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 357 
war, einfach in ihren Grundlagen, doch bedeutsam in ihrer 
sausendfach wiederholten Wirkung, so bestand sie auch bei den 
ibrigen Deutschen des Mutterlandes: von außerordentlicher Wich— 
tigkeit ist sie für die Geschichte unserer Nation geworden. 
IV. 
Von Flandern und Holland, von Brabant und vom Nieder⸗ 
rhein, von den am dichtesten bevölkerten Gegenden des Reiches 
sind die Anfänge einer freien und systematischen Besiedelung 
des Ostens ausgegangen: von hier strömten seit der Neige des 
11. Jahrhunderts in immer zunehmender Zahl auf fast zwei 
Jahrhunderte überschüssige Mengen deutschen Volkes nach Osten; 
ihr Freiheitssinn, ihre agrarische Ordnung hat zum großen 
Teil den Typus des regulären Besiedelungsgeschäfts bilden 
helfen. 
Flandern scheint von Anbeginn zumeist in Einzelhöfen 
besonders großer Ausdehnung besiedelt gewesen zu sein; der 
flandrische Bunnar berechnet sich auf 8 bis 4 Hektare?, 
12 Bunnare bilden eine Hufe, deren Flächenmaß mit 36 bis 
18 Hektaren ohne weiteres an die Größe der Königshufe 
erinnert. Von ähnlich großer Anlage waren wohl auch die 
ursprünglichen holländischen Hufen. Gemeinsam aber war 
ferner beiden Stämmen die Kolonisation der Moore, schon in 
der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts hatten namentlich 
die Holländer eine sichere Methode zu ihrer Urbarung geschaffen. 
Es waren Erfahrungen, die die deutschen Fürsten des 
friesischen und niedersächsischen Nordseerandes leicht geneigt sein 
mußten sich zu nutze zu machen. In einer Zeit, da sich die 
rheinischen und süddeutschen Fürsten in der finanziellen Aus— 
beutung des Verkehrs durch Städtegründung und Straßenbau, 
durch Geleit- und Zollwesen Einnahmen von ungeahnter Stärke 
schufen, wie sie in gleicher Weise die norddeutsche Tiefebene, 
Meitzen in Festschrift für Hanssen S. 58.
	        
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