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SZehntes Buch. Drittes Kapitel.
Die frühesten Städte sind Thorn und Kulm, beide so hoch
an der Weichsel gelegen, daß sie noch eben von den kleinsten
Ostseeschiffen ohne Leichterung erreicht werden konnten: die
eigentlichen Seestädte werden dann Elbing und Königsberg,
dazu später das pomerellische Danzig. Für sie alle, soweit sie
Preußen angehören, galt, mit Ausnahme des von Lübeck aus
gegründeten Elbing, das Recht der Kulmer Handveste vom
Jahre 1233, das in seinen stadtrechtlichen Teilen auf Magdeburg
zurückgeht: sie traten in den Besitz selbständig gewählter, vom
Orden bestätigter Obrigkeiten; ihre Bürger genossen eines freien
Grundeigens unter nur geringer Beschwerung zu Urkund der
Herrschaft des Ordens; ihrem Handel, ihrem Gedeihen über—
haupt leistete der Orden jede Förderung eines vernünftig ver⸗
fahrenden Gründers.
Auf dem platten Lande wurden die Polen Pomesaniens
und des Kulmerlands thunlichst zurückgedrängt; in die traurigste
Lage aber gerieten nach den wiederholten Aufständen des
18. Jahrhunderts die Ureinwohner des Landes. Mit der eiser⸗
nen Härte des Priesters und Kriegers zugleich setzte der Orden
es durch, die angeborenen Standesverhältnisse der Unterworfenen
einfach zu übersehen. Unfrei war ihm, wer ein Knecht der heid
nischen Götzen blieb, frei, wer dem Christengotte sich fügte, edel,
wer sich dem Orden zu Dienste gab. Nichts blieb grund sätz⸗
lich übrig von der alten sozialen Schichtung der Preußen: Edle
wurden hörig, ja als Sklaven und Elende von Land und Leuten
vertrieben, wenn sie sich dem Orden nicht unterordneten: Unfreie von
ehedem erhielten bei überzeugtem Wirken zu Gunsten des Ordens
den höchsten Einfluß. Nichts hat das alte Volkstum der Preußen
sicherer beseitigen helfen, als die Durchführung dieser Grundsätze
gegenüber allen Widersachern, je mehr sie sich mit milder Be—
handlung der überzeugten Unterworfenen verband.
Für den deutschen Siedler des Ordenslandes galten an⸗
fangs die außerordentlich günstigen Ansiedlungsbestimmungen
der Kulmer Veste; später sind diese teilweise drückenderen Auf—
lagen gewichen. Zahlreich waren die jüngeren Söhne des deut—
schen, vornehmlich des fränkischen, schwäbischen und bairischen