Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1300. 407 
höchsten Blüte im 14. Jahrhundert festzuhalten und in glänzender 
Weise zu organisieren gelang. Es geschah fast zur selben Zeit, 
da dem Orden nach dem Falle von Akkon (1291) seine letzten 
morgenländischen Besitzungen verloren gingen. Mit gutem 
Gewissen konnte der letzte am Mittelmeer residierende Hochmeister, 
Siegfrid von Feuchtwangen, den alten Schauplatz der Ordens⸗ 
thätigkeit mit dem neugewonnenen vertauschen: im Jahre 1309 
ward die Marienburg im Deltagebiet der Weichsel, recht eigent— 
lich im Centrum der neuen Gesamtlande, zum Hochsitz des Ordens 
erwählt. 
Und schon war das Land nach manchen Richtungen hin 
germanisiert. Zwar gab es noch Landschaften, wo weder der 
deutsche Bauer noch der deutsche Bürger Fuß gefaßt hatte, so 
hor allem Samland, nicht minder wohl die Gegenden des 
äußersten Ostens und der masurischen Seenplatte: hier lebten 
zurückgezogen in Sumpf und Urwald und vereinzelt in weiter 
Zerstreuung die Überreste der alten Bevölkerung noch ein trostloses 
Dasein der Jagd und des Fischfangs. Die Kerngegenden der 
deutschen Einwanderung dagegen lagen im Weichselthal ober— 
halb des Deltas — der Werder zwischen Weichsel und Nogat 
ist wohl erst im 14. Jahrhundert germanisiert worden — und 
hin an den Küsten des frischen Haffes. 
Die Kolonisation begann hier nicht so sehr mit der Be⸗ 
siedlung des platten Landes wie mit der Erbauung reger 
städtischer Verkehrspunkte. Eine Erscheinung, die in Kulturen 
schon organisierten Handelsverkehrs sich häufig geltend macht, 
trat auch hier hervor: die einwandernde deutsche Bevölkerung, 
höhere Kultur von daheim her gewöhnt, bedurfte reger Ein— 
fuhr: neben Heringen und Salz waren Leinenzeuge und Tuche, 
Farben, Wein und Pfeffer Hauptgegenstände frühen Imports: 
und so entstanden schon sehr früh ziemlich volkreiche Städte 
über einem verhältnismäßig dünn besiedelten Lande. Es ist 
eine für das ganze deutsche Kolonialgebiet östlich der Elbe 
zu beobachtende, im Ordensland nur besonders deutlich aus— 
geprägte Entwicklung; sie allein laͤßt den raschen Aufschwung 
der späteren Hanse im Osten begreiflich erscheinen.
	        
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