Object: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Problem der absoluten Existenz und die Gottesidee, 421 
ihrer absoluten Realität zu versichern? Sollte er die sinnliche 
Empfindung zum Stützpunkt und Bürgen der Wirklichkeit neh- 
men, Sollte er von ihr unmittelbar auf das Dasein transscendenter 
dinglicher Ursachen schliessen? Dann aber wäre alle Kritik, die 
der methodische Zweifel und die Grundlegung der Wissenschaft 
an ihr geübt haben, verloren; dann würden wir in den „funda- 
mentalen Irrtum“ einer direkten Aehnlichkeit und Entsprechung 
zwischen Ding und Wahrnehmung zurückfallen. Oder sollten wir 
die exakten wissenschaftlichen Grundbegriffe zum Ausgangspunkt 
und zum Maassstab. machen? Aber gerade dies war die Eigen- 
tümlichkeit und der Vorzug der mathemalischen Ideen, dass 
sie sich um die Existenz der Inhalte, die sie darstellen, nicht 
zu kümmern brauchen, dass ihre Wahrheit von der Frage, ob 
»s Körper gibt, die ihren Bedingungen entsprechen, nicht berührt 
wird. Der Uebergang zur Physik hat diesen Standpunkt der Be- 
"rachtung nur scheinbar geändert. Die Prinzipien der Naturer- 
xzenntnis sind wie die der Geometrie, mit denen sie Descartes be- 
ständig gleichsetzt, Erzeugnisse und Geschöpfe der „Methode“; 
diese aber lässt, in ihrem stetigen Gange, nirgends eine petAßacı 
zig dAho j£voc, einen Uebergang von der Essenz zur Existenz zu. 
So muss denn ausserhalb des Gebiets, das durch die menschliche 
Erfahrung und durch die Grundsätze der wissenschafilichen Er- 
kenntnis abgegrenzt wird, ein klarer und deutlicher Begriff 
des Geistes gefunden werden, in dem jene Forderung sich er- 
{üllt. Selbst an diesem Wendepunkt, jenseit dessen der Leit- 
{aden der Methode uns verlässt, bestätigt sich somit noch die 
Kraft und Sicherheit von Descartes’ philosophischer Analyse. Die 
einzelnen Momente, die uns zum Gottesbegriff hinleiten, gehen in 
eindeutiger Strenge aus einander hervor. Nur ein Bedenken muss 
gegenüber der Gesamtheit dieser Entwicklungen zurückbleiben: 
ob nämlich — gemäss der Forderung, die von den „Regeln“ an 
die Spitze gestellt wurde — die Frage, um die es sich handelt, 
„völlig verstanden“, ob der Begriff der „absoluten Existenz“ in seine 
Bedingungen verfolgt und aufgelöst ist. Die „Regeln“ schreiben 
vor, dass wir, sobald wir im Fortschritt unserer Deduktionen zu 
einem Problem gelangen, das unser Verstand nicht vollständig zu 
lurchschauen vermag, die Untersuchung abbrechen und nutzlose 
Mühe sparen sollen; sie fügen hinzu, dass wir auch in diesem
	        
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