Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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5. ünmittclbar vor der Wildniss, durch welche der Thü- 
nensche Wirthschaftsstaat wie eine Ciilturoase isolirt ist, liegt 
als Conscqiienz der Transportrücksichten die Zone der Vieh 
zucht. Am andern Extrem, d. h. als ein die Stadt unmittelbar 
umgebender Ring hat sich der Kreis der sogenannten freien 
Wirthschaft gebildet, in welcher die intensivste Cultur mit der 
unbeschränktesten Wahl in der Abfolge der Bodenbenutzung 
verbunden ist. Der Kranz der feineren, den Gartenbau in er 
heblichem Umfange einschliessenden Cultur und Wirthschaft, 
welcher sich um die grossen Städte bildet, ist eine seit Jahr 
hunderten und z. B. auch von Boisguillebert beobachtete That- 
sache. Zwischen den erwähnten beiden Extremen schieben sich 
nun noch vier andere Kreise ein, die in der Richtung vom 
Mittelpunkt zum Umfang aufgezählt, der Forstwirthschaft, dem 
Fruchtwechsel, der Koppelwirthschaft und dem Dreifeldersystem 
entsprechen. Uns interessirt in dieser Anordnung, welche einzig 
und allein eine Folge der Transportkosten sein soll, nicht die 
besondere Gestaltung und deren Kritik, sondern der allgemeine 
in derselben ausgeprägte Gedanke, dass die Bewirthschaftungs- 
systeme in ihrer geographischen Gruppirung und mithin auch 
in ihrer zeitlichen Aufeinanderfolge relativ nothwendige Gebilde 
seien. Dieser Relativismus steht denjenigen Vorstellungen 
gegenüber, welche ein einziges, als vollkommen hingestelltes 
System für die verschiedensten Verhältnisse zur Richtschnur 
nehmen. Auch ist er insoweit berechtigt, als wirklich die Rente 
und die Abhängigkeit vom entfernten Markt die entscheidenden 
Ursachen der Wirthschaftsgestaltung zu bilden fortfahren. Unter 
andern Voraussetzungen lässt sich aber diese Betonung der blos 
relativen Vorzüglichkeit ernstlich anfechten, und sie muss sogar 
im Hinblick auf die Kreuzungen anderer Umstände auch schon 
Angesichts der bisherigen Geschichte und gegenwärtigen Geo 
graphie der Wirthschaftssysteme ernstlich eingeschränkt werden. 
Dennoch birgt diese Vorstellungsart einen Kern, der mit Hülfe 
der kritischen Oekonomie weit rationeller entwickelt werden 
kann, als es durch Thünen geschehen ist. Der Urheber der 
Idee hat nämlich die natürlichen Rückwirkungen einer hoch 
entwickelten Industrie auf den Zustand der Landwirthschaft 
vernachlässigt, um nicht zu sagen ausser Betracht gelassen. 
Sein Heimathsstaat war für nachhaltigere Wahrnehmungen 
dieser Art kein glücklich gelegener Standpunkt gewesen, und so
	        
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