Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Wirtschaftliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 109 
schon seit zwei Generationen in Deutschland ununterbrochene 
Revolten. Wir kennen schon die städtischen Bewegungen der 
zwanziger und dreißiger Jahre des 15. Jahrhunderts!. Ihnen 
zur Seite, doch zunächst nur im Gegensatz zu den Juden, laufen 
agrarische Aufstände her. So versuchten sich schon im Jahre 
1391 die Bauern der Umgegend von Gotha in einer Juden⸗ 
schlacht; gefährlicher aber war die Erhebung der armen Leute 
des Pfälzer Kurfürsten gegen die Wormser Juden vom Dezember 
1481: sie führte schließlich zum Nachlaß der aufgelaufenen 
bäuerlichen Judenzinsen und zu Fristverlängerung für die Ab⸗ 
zahlung der geschuldeten Kapitalien. Es ist der letzte der gegen 
die Juden speziell gerichteten Aufstände, spätere revolutionäre 
Einwirkungen wurden durch die Vertreibung der Juden aus 
den wichtigsten Territorien? zumeist überflüssig gemacht. 
Umsomehr nahmen die eigentlichen agrarischen, gegen die 
Grundherren gerichteten Bewegungen zu. Ihre Heimat ist nament⸗ 
lich der Südosten, die Gegenden, wo dichtgedrängt grundherr⸗ 
licher Adel saß ohne landesfürstliche Aufsicht und Obgewalt; 
und den Ton gaben die Schweizer an. Mit am frühesten 
empörten sich die Appenzeller; mit außerordentlichem Glück. 
Sie beseitigten die grundherrlichen Lasten fast völlig, fie bildeten 
eine politische, republikanische Einung und brachten es im 
Jahre 1411 fertig, sich der Eidgenossenschaft anzuschließen. 
Und weithin wirkten ihr Beispiel und ihre Propaganda. Die 
Bauern im Vorarlberg und in Tirol wurden unruhig, die 
Landleute des Allgäus wagten einen ersten, freilich vergeblichen 
Kampf, und darüber hinaus gärte es bis zum Hauensteiner 
Land und bis in das Gebiet von Rottweil. Schon Ende der 
zwanziger Jahre des 15. Jahrhunderts waren daher Reichstag 
und Reichsgewalt beherrscht von der Furcht vor den wilden 
Läufen und unordentlichen Sammlungen der Bauern; und 
niemals hörten die grundhörigen Erhebungen mehr auf, bis 
sie einmündeten in die große Empörung der Jahre 1524 und 
1525. 
1 S. oben S. 73. 
2 S. oben S. 88.
	        
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