Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

120 Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
jetzt alles, bemerkt Sebastian Franck einmal; man studiere sie 
wie ehedem die freien Künste. 
Aber die Bewegung blieb nicht im Ideenkreise des kauf— 
männischen Berufs stehen; sie ergriff die ganze Person. Der 
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reißung der Familienbande, die den jungen Mann als Proku— 
risten oder in sonstwelcher Stellung hinausführten in die weite 
Welt, sie machten sich auch ganz allgemein geistig geltend. In 
lebhaftem Briefwechsel wuchs sich die eigene Persönlichkeit nach 
allen Seiten hin aus und klärte sich: ganze, allseitig individuelle 
Menschen gingen aus diesen Kreisen hervor; ein allgemeiner 
Drang nach vergeistigtem Dasein, nach der Durchbildung des 
Einzelnen zum Mikrokosmus hin trat ein. 
Nichts zeigt diesen Fortschritt mehr als die reißende Ent— 
wicklung des Buchdrucks und der polygraphischen Gewerbe, jener 
Vermittler geistiger Errungenschaften von Ort zu Ort und von 
Person zu Person, die den großbürgerlichen Kreisen lebhafter 
Verkehrsvermittlung besonders willkommen sein mußten. 
Schon gegen Ende des 14. Jahrhunderts setzt eine Rich— 
tung auf Vervielfältigung und weitere Verbreitung der geistigen 
Schätze ein, die man bis dahin nicht gekannt hatte. Die 
Litteratur, an sich wenig produktiv, beginnt Rücksicht auf 
Massenwirkungen zu nehmen. Vornehme Personen, Fürsten 
vornehmlich, bringen Bibliotheken zusammen; bereits giebt es 
leidenschaftliche Büchersammler, und Köln, heute einer der 
Hauptsitze des Antiquitätenhandels, wurde damals zum Mittel— 
punkte für den Vertrieb von Handschriften. In der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhunderts sind dann größere fürstliche und 
Privatbibliotheken keine Seltenheit mehr; schon Kurfürst Lud⸗ 
wig III. von der Pfalz (1410 -36) war der Begründer des 
Handschriftenstockes der berühmten Bibliotheca Palatina. Diesem 
Eifer entsprechend entstanden überall Schreibstuben, in 
Klöstern der neuen und der reformierten Orden nicht minder 
wie in Laienhäusern der Städte. Schon gab es Autoren, die 
ihre Schriften zugleich als Verleger vertrieben, wie Dietrich 
Engelhus, und Unternehmer, die sich in ausgedehnten Werk—
	        
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