126 J Vierzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Fortschritt aus einem noch barbarischen Zeitalter in ein solches
beginnender höherer Bildung.
Und es verstand sich von selbst, daß die Angehörigen dieser
Klassen der neuen Gesellschaft angehörten, gleichgultig, aus
welcher sozialen Schicht sie stammten. Ihre Bildung adelte sie.
Sie waren aber in Wirklichkeit grade oft von sehr niedriger
Herkunft. Unter den Pauperes der Universitäten war mancher
aus dem tiefsten Elend der Landstraße aufgelesen, der Sohn
vielleicht von Leuten, die heutzutage schwerlich an die akademische
Bildung ihrer Kinder würden denken können. Damals ward
er mit durchgeschleppt, denn das Ideal christlicher Gemeinschaft
durchdrang noch alle Bevölkerungsschichten; und schon die christ⸗
liche Charitas erforderte, für ihn zu sorgen. So ging er seinen
Weg, und nicht selten führte ihn dieser auf die Sonnenseite des
Lebens.
Andrerseits fehlte der neuen Gesellschaft auch nicht die
Verbindung mit den alten aristokratischen, einst übermächtigen
Schichten. Die Verbindung zwischen dem Landadel und dem
höheren Bürgertum war niemals völlig abgebrochen worden;
—
niere z. B., vornehmlich in den Städten fort. Aber freilich
war der soziale Gegensatz zwischen beiden Schichten im ganzen
doch gewachsen, wesentlich durch Schuld des Adels, der tage—
diebend im Lande saß und die Welt nur noch aus der Vogelschau
seiner Burgen kannte. Doch fanden sich schon früh im 15. Jahr—
hundert einzelne Elemente, welche begriffen, daß die Demokrati—
sierung des Waffenhandwerks durch die Erfindung der Feuer—
waffen den Adel um seinen alten Beruf gebracht habe, und
daß er eine neue Stellung nicht anders erhalten könne, als
in geistiger Arbeit. Diese Elemente hielten zu der neuen
Gesellschaft, und sie nahmen seit der Wende des 15. und
16. Jahrhunderts an Zahl beträchtlich zu.
Ähnlich, doch entgegenkommender, verhielten sich die Fürsten.
Sie mußten der geistigen Umwälzung vor allem als Mäcene
nahetreten. Es ist eine Stellung, die schon die Luxemburger.