Erste Blüte individualistischen Geisteslebens. 189
Universitäten so gut als sicher. Am frühesten errungen wurde er in
Wien, schließlich unter kräftigem Eingreifen Kaiser Maximilians,
der den Humanisten wohlgesinnt war. Nachdem schon seit 1454
Georg Peuerbach humanistische Kollegia gehalten und Regio—
montan Poesie (d. h. humanistische Stoffe) und Mathematik
vorgetragen hatte, wurde das humanistische Übergewicht gegen
Schluß des 15. Jahrhunderts entschieden, als der Historiker
und Philologe Cuspinian und bald nach ihm der glänzend
hegabte Dichter Conrad Celtes in den Lehrkörper eintrat. Zu—
gleich machte man in Wien den nirgends sonst wiederholten
Versuch, den Humanismus in einer besonderen Institution zu
organisieren, deren Wirksamkeit der Absicht nach vermutlich die
der vier Fakultäten überflügeln sollte. Im Jahre 1501 wurde
an der Universität das Kollegium der Poeten und Mathematiker
zrrichtet; es sollte den Studierenden auf Grund einer Prüfung
den Dichterlorbeer als akademische Würde verleihen dürfen.
Neben Wien, der südostdeutschen Universität, traten vor
allem die südwestdeutschen, Italien fast gleich nahe gelegenen
Hochschulen hervor. Am ehesten Basel. Hier berief man schon
bei der Begründung italienische Gelehrte, namentlich für die
Jurisprudenz, deren Vertreter fast stets zu den philologischen
Humanisten standen; dann aber wurde seit 1474 in Johann
Matthias von Gengenbach ein besonderer Humanist angestellt,
der täglich je eine Stunde in den freien Künsten und in der
Poesie lesen sollte; einer seiner Nachfolger war Sebastian
Brant. Die Früchte dieser Anregungen reiften rasch; Basel
wurde einer der Hauptsitze des Humanismus. Hier begründeten
Joh. Amerbach und Joh. Froben ihre berühmten Druckereien,
und Amerbachs Söhne wie der große Geograph und Musiker
Heinrich Glareanus waren die Stützen eines geistigen Zusammen⸗
hangs, der durch die Anwesenheit des Erasmus (seit 1514)
zuropäischen Glanz erhielt.
Ahnlich wie in Basel sind auch in Freiburg und Heidel—
berg die ersten Anregungen verlaufen. Aber ihnen folgte nicht
eine gleiche Blüte; namentlich in Heidelberg widerstanden die
scholastischen Elemente der Universität mit Energie; zu einer