Full text : Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

244 Fünfzehntes Buch. Erstes LKapitel.

er in aufrichtiger Reue steht, vollkommnen Ablaß von Strafe
und Schuld auch ohne Ablaßbriefe. Doch soll man darum
den Erlaß und Anteil, den der Papst verleiht, keineswegs ver⸗
achten, weil er die Erklärung der göttlichen Vergebung ist.
Der wahre Schatz der Kirche ist sfreilich nicht der Ablaß,
sondern] das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und
Gnade Gottes. Man lehre die Christen, daß des Papstes
Meinung nicht sei, das Lösen von Ablaß irgendwie den Werken
der Barmherzigkeit gleichzustellen. Man lehre sie, daß, wer
einen Bedürftigen sieht und des ungeachtet sein Geld für
Ablaß ausgiebt, damit nicht des Papstes Ablaß, sondern
Gottes Zorn erwirbt. Man lehre sie, daß, wenn der Papst
den Schacher der Ablaßprediger wüßte, er lieber den Peters⸗
dom wuͤrde in Asche sinken lassen, als daß er auf Kosten von
Haut, Fleisch und Knochen seiner Schafe sollte gebaut werden.
Wer gegen die Wahrheit des apostolischen Ablasses redet, der
sei verbannt und verflucht! Wer aber gegen die mutwilligen
und frechen Reden der Ablaßprediger auf der Wacht steht, der
sei gesegnet! Zu sagen, daß das Ablaßkreuz, das mit des
Papftes Wappen geschmückt in den Kirchen aufgerichtet wird,
gleichen Wert habe mit dem Kreuz Christi, ist Gotteslästerung.
Solche freche Ablaßpredigt macht, daß es auch gelehrten Männern
schwer fällt, die dem Papste schuldige Ehrfurcht aufrecht zu
erhalten gegen die böse Nachrede oder die unzweifelhaft scharfen
Einwendungen der Laien. Hinweg also mit alle den Propheten,
die dem Volke Christi sagen: Friede, Friede: und ist doch kein
Friede n!“
Es sind die ersten kraftvollen Sätze des Reformators;
empört verdammen sie den Mißbrauch. Das neue System des
Ablasses an sich dagegen tasten sie nicht an. Zwar finden sich
Stellen, die Angriffe tödlicher Art auf die mittelalterliche Lehre
bom Bußsakrament enthalten, aber sie werden noch gegengewogen

Zusammenstellung einzelner Thesen, mit der Absicht ungefährer
Wiedergabe des Gesamtsinns in Luthers Worten, nach der Übersetzung
don Kawerau (Luthers Werke f. d. christl. Haus, 1, 113 f.).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.