Full text : Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Fünfzehntes Buch. Erstes Kapitel.

bisher für die besten gehalten sind, ganz abgethan würden.
Als hätten wir nicht die heilige Schrift, darinnen wir über—
reichlich von allen Dingen belehrt werden, davon Aristoteles
nicht den kleinsten Geruch empfunden hat. Doch möchte ich
gern leiden, daß des Aristoteles Bücher von der Logik, Rhetorik,
Poetik behalten oder, in andere kurze Form gebracht, nützlich
gelesen würden, junge Leute zu üben wohl zu reden und zu
predigen. Daneben hätte man nun die Sprachen, Latein,
Griechisch und Hebräisch, die mathematischen Disziplinen,
Historie: welches ich Verständigeren befehle. Auch die Ärzte laß
ich ihre Fakultäten reformieren. Die Juristen und Theologen
nehme ich für mich und sage zum ersten, daß es gut wäre,
daß das geistliche Recht von dem ersten Buchstaben bis an den
letzten zu Grund ausgetilgt würde. Denn heute ist geistliches
Recht nicht das in den Büchern, sondern was in des Papstes
und seiner Schmeichler Mutwillen steht. Das weltliche Recht
aber, hilf Gott! wie ist das auch eine Wildnis geworden.
Fürwahr, vernünftige Regenten neben der heiligen Schrift
wären übrig genug Recht; die weitläufigen und fern gesuchten
Rechte sind nur Beschwerung der Leute und mehr Hindernis,
denn Förderung der Sachen. Meine lieben Theologen aber
haben sich aus der Mühe und Arbeit gesetzt, lassen die Bibel
wohl ruhen und lesen Sententias (scholastische Dogmatik). Nun
aber, so die Sentenzen allein herrschen, findet man mehr heid—
nischen und menschlichen Dünkel, denn heilige, gewisse Lehre
der Schrift in den Theologen. Wie wollen wir denn nun
thun? Vor allen Dingen sollte in den hohen und niederen
Schulen die vornehmste und allgemeinste Lektion die heilige
Schrift sein, und für die jungen Knaben das Evaugelium.
Und wollte Gott, eine jegliche Stadt hätte auch eine Mädchen—
schule, darinnen des Tages die Mägdlein eine Stunde das
Evangelium hörten, es wäre auf deutsch oder lateinisch.
Damit sei genug gesagt von den geistlichen Gebrechen.
Ich achte auch wohl, daß ich hoch gesungen habe, viele Dinge
vorgegeben, was als unmöglich angesehen wird, viel Stücke zu
scharf angegriffen. Wie soll ich ihm aber thun? Ich bin es
            
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