Keligiöse Bewegung; Luther.
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Haufen und Gemeinde regieren hülfen mit Predigen und
Sakramenten. Es wäre auch not, daß die Jahrestage, Be—
zängnisse, Seelmessen ganz abgethan oder doch verringert
würden. Was sollte Gott für einen Gefallen daran haben,
wenn die elenden Vigilien und Messen so jämmerlich geschlappert
werden, weder gelesen noch gebetet: es liegt Gott nicht an viel,
sondern an wohl beten! Daß man alle Feste abthue und allein
den Sonntag behalte. Daß die wilden Kapellen und Feld—
kirchen zu Boden zerstört werden, da die neuen Wallfahrten
hingehen, denn es geschieht den Pfarrkirchen Nachteil davon,
daß sie weniger geehrt werden. Es hilft auch nicht, daß
Wunderzeichen da geschehen; denn der böse Geist kann wohl
Wunder thun. Auch sollte man abthun oder verachten oder
doch allgemein machen aller Kirchen Freiheit, Bullen, und was
der Papst zu Rom verkauft auf seinem Schindanger. Denn
so er Wittenberg, Halle, Venedig und vor allem seinem Rom
Indulte, Privilegien, Ablässe, Gnaden, Vorteile verkauft oder
giebt: warum giebt er es nicht allen Kirchen insgemein? Oder
muß das verfluchte Geld in Sr. Heiligkeit Augen einen so
großen Unterschied machen? Er ist ein Hirte: ja, so du Geld
hast, und nicht weiter! — Es ist wohl der größten Nöte eine,
daß alle Bettelei abgethan würde in aller Christenheit, daß eine
jegliche Stadt ihre armen Leute versorgte und keinen fremden
Bettler zuließe, sie hießen, wie sie wollten, es wären Wallbrüder
oder Bettelorden. Es könnte eine jegliche Stadt die ihren
ernähren: so müßte da sein ein Verweser oder Vormund, der
all die Armen kennt und, was ihnen not wäre, dem Rat oder
Pfarrer ansagt. Die Bruderschaften, ferner Ablässe, Ablaß—
briefe, Butterbriefe, Meßbriefe, Dispensationen und was des
Dinges gleich ist, nur alles ersäuft und umgebracht! Das ist
nichts Gutes. Kann der Papst dich dispensieren im Butter⸗
essen, Meßhören u. s. w., so soll er es den Pfarrern auch
assen können, denen er es zu nehmen nicht Macht hat.
Die Universitäten bedürften auch wohl einer guten stracken
Reformation. Hier wäre nur mein Rat, daß die Bücher des
Aristoteles Physice, Metaphysica, De anima, Ethica, welche