Full text : Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Religisse Bewegung; Luther.

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des bösen Zusatzes, daß sie an sich gut machen, willen, um
dieser falschen, verkehrten Meinung willen, welche macht, daß
sie nur gut scheinen und sind doch nicht gut.
Das sei von den Werken insgemein gesagt und von denen,
die ein Christenmensch gegen seinen eigenen Leib üben soll.
Nun wollen wir von mehr Werken sagen, die er gegen andere
Menschen thut. Siehe, da hat Paulus klärlich ein christliches Leben
dahin gestellt, daß alle Werke sollen gerichtet sein dem Nächsten
zu gut, dieweil ein jeglicher für sich selbst an seinem Glauben
genug hat, und alle andern Werke und Leben ihm übrig sind,
feinem Nächsten damit aus freier Liebe zu dienen.
Darum, ob er nun ganz frei ist, soll er sich wiederum
williglich zu einem Diener machen, seinem Nächsten zu helfen,
mit ihm zu verfahren und zu handeln, wie Gott mit ihm
durch Christum gehandelt hat.
Siehe, also fließt aus dem Glauben die Liebe und Lust
zu Gott, und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches
Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen; und ein Christen⸗
mensch lebt nicht sich selbst, sondern in Christo und seinem
Nächsten: in Christo durch den Glauben, im Nächsten durch
die Liebe.
Siehe, das ist die rechte geistliche, christliche Freiheit, die
das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten,
welche alle andere Freiheit übertrifft, wie der Himmel die
Erde. Diese gebe uns Gott recht zu verstehen und zu behalten!
Amen! —
Mit den großen Schriften des Sommers und Herbstes
1520 war Luthers Bruch mit Rom, soweit er noch nicht ein—
zetreten war, innerlich vollkommen entschieden. Und die Nation
folgte dem kühnen Führer. Freilich: wie wußte er sie zu
packen! Staunenswert, unermüdlich war er thätig; dauernd
hat er allein mehrere Druckpressen beschäftigt. Und welche
Töne schlug er an! Wenn er mit der Erfahrung eines reifen
Agitators die Interessen besonderer Stände in den Vordergrund
schob, wie in der Schrift an den christlichen Adel die des
Pfarrklerus; wenn er mit Geschick die einzelnen Teile seiner
            
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