Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

HNaiser Maximilian J.; Königtum und Reichsstände. 33 
Reichsfürst befinden. Die Stellen der Mitglieder sollten von 
den Ständen so besetzt werden, daß den Fürsten, vornehmlich 
den Kurfürsten, die vollste Beeinflussung des gesamten Regiments 
gesichert war; den Städten hatte man zwar zwei Stellen ein— 
geräumt, aber diese wurden durch Zuwahl bürgerlicher Mitglieder 
seitens der fürstlichen Vertreter besetzt. In Wahrheit bildete 
somit das Reichsregiment einen fürstlichen Areopag. Und diesem 
war nun eine beinahe königliche Gewalt nach allen Seiten ge⸗ 
geben; er war gedacht als ein fast völliger thatsächlicher Ersatz 
des Königs: um die Aushebung eines Heeres zum Schutz des 
Reiches auf höchst bedenklicher, bei den Executivmitteln des 
Reiches wahrscheinlich niemals herzustellender Grundlage be— 
willigt zu erhalten, hatte der König sich auf die Repräsentation 
der Monarchie beschränken, in Wahrheit so gut wie absetzen 
assen müssen! 
III. 
Das Reichsregiment trat noch im Jahre 1500 in Nürnberg 
zusammen. Die innere Politik kam dabei zunächst weniger in 
Betracht; hier fehlte dem Regiment noch mehr, wie dem 
Könige, jegliche Handhabe vollstreckender Gewalt. Auf dem 
Felde der äußeren Politik dagegen vermochte es wirksam 
neben dem Könige aufzutreten: und hier ergab sich das 
Unglaubliche, daß beide, Regiment und König, im Entgegen— 
kommen gegenüber Frankreich, dem Berauber des Reichs in 
Italien, in Wettbewerb gerieten. 
Die Fürsten hatten längst die Kämpfe des Königs in 
Italien mit geteilten Empfindungen begleitet; für die alte 
Größe des Reichs fühlten sie nicht mehr; bei Max setzten sie 
habsüchtige Hausinteressen voraus. Zudem hatte Ludwig XII. 
schon früh Verbindungen mit einzelnen wichtigen Fürsten ange— 
knüpft, vor allem mit dem Kurfürsten Philipp von der Pfalz. 
So erklärt es sich, wenn das Reichsregiment seine äußere Politik 
damit begann, daß es dem Könige Ludwig in feierlicher Gesandt— 
schaft gegen Zahlung von 80000 Dukaten die Belehnung mit 
Lamprecht, Deutsche Geschichte V. 3
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.