Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

34 
Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
Mailand von Reichs wegen anbot. Ludwig ging hierauf natürlich 
ein; ein französischer Gesandter erschien zu Nürnberg und verhan— 
delte, unter geringschätziger Behandlung des Königs in gleicher 
Zeit, offen mit dem Reichsregiment über die Liquidation von 
Reichsrechten in Italien und einen längeren Waffenstillstand. 
Der König war mit Recht im höchsten Grade erbittert. 
Aber was konnte er thun? Es blieb ihm nichts übrig, als ebenfalls 
mit Ludwig in Verbindung zu treten und das Reichsregiment 
zu überbieten. In der That gelang ihm das; am 13. Ok— 
tober 1501 wurde zwischen ihm und Ludwig XII. vorläufig 
berabredet, er werde in die Belehnung mit Mailand willigen, 
falls Ludwig XII. ihn in seinem Romzug unterstütze. Indes 
nachdem auf diese Weise die Verhandlungen des Reichsregiments 
mit Ludwig lahm gelegt worden waren, begann Max in seinen 
Verhandlungen zu zögern; schließlich brach er sie ab: mit guter 
Art hatte er sich der auswärtigen Aktion der Fürsten entledigt. 
Das Reichsregiment hatte sich inzwischen mehr auf die 
nnere Politik geworfen. In den Tagen vom 28. Juli bis 
zum 14. September 1501 ratschlagte in Nürnberg ein verstärkter 
Regimentstag und beschloß, das Reichsregiment wie das Reichs— 
kammergericht nach Frankfurt zu verlegen — weiter ab von 
den Ländern und dem Einflusse des Königs. Der König trat 
diesen Emanzipationsbestrebungen mit einer vielleicht nicht er— 
warteten Energie entgegen. Die Beschlüsse des Reichstags zu 
Augsburg vom Jahre 1500 über Aufstellung eines direkt con— 
tingentierten Heeres hatten natürlich wiederum keinerlei Erfolg 
gehabt. Demgegenüber griff jetzt Max auf die älteren Formen 
der Reichsverfassung zurück; er bot von sich aus kraft Lehns— 
rechts die fürstlichen Vasallen zum 1. Juni 1502 zu einem 
Türkenfeldzug auf; außerdem forderte er wenige Monate darauf 
dem Kurfürsten Berthold von Mainz das Reichssiegel ab, das 
er als Kanzler führte. 
Berthold, der Führer der ständischen Bewegung, war unklug 
genug, diese Schritte mit einem Rekurs ebenfalls auf ältere 
Einrichtungen der Verfassung zu beantworten. Er berief einen 
Kurfürstentag ein; gewaltig wurde auf ihm gegen den König
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.