Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Erstes Kapitel. 
dessen sich die Venetianer am 17. Juli 1509 durch Über— 
rumpelung bemächtigt hatten. Er leitete die Belagerung der 
Stadt sicher und kraftvoll ein; gleichwohl scheiterte sie. Damit 
war der Feldzug des Jahres 1509 verloren; später anrückende 
Truppen des französischen Königs und des Papstes richteten 
nichts mehr aus. 
Und schon zeigten sich deutlich die ersten Spuren eines 
Bruches im Verhältnis der Vertragsmächte. Frankreich hatte 
in Oberitalien erreicht, was zu erreichen war; nur der Form 
nach beteiligte es sich noch am weiteren Kampfe. Der Papst 
hatte ein Übergewicht der Deutschen und Franzosen in Italien 
niemals gewünscht; nachdem die Diversion gegen Venedig zum 
Vorteil Frankreichs ausgeschlagen war, tauchte bei ihm der 
Gedanke einer heiligen Liga der italienischen Mächte, darunter 
auch Venedigs, auf, zu dem Zwecke, Frankreich und erforder— 
lichen Falles auch den Kaiser aus dem Lande zu jagen. So 
war der Kaiser in der traurigsten Lage; er war vereinsamt, 
und er hatte mit dem Frontwechsel gegenüber Frankreich zu— 
gleich die ganze alte Sicherheit und den einzigen, noch nicht 
bezweifelten Zug seiner Politik verloren. 
Was das für seine Stellung sowohl in Deutschland wie nach 
außen bedeutete, sollte sich bald zeigen. Auf einem Reichstage 
zu Augsburg, 1510, konnte er nicht umhin, von neuem finan— 
zielle und militärische Unterstützung zu fordern. Um sie zu 
erreichen, war er jetzt bereit, auf wesentliche Punkte der föde— 
ralistischen Forderungen der Jahre 1495 und 1500 einzugehen. 
Völlig erfolglos. Man war an ihm irre geworden; man erwartete 
von ihm nichts mehr, und man bewilligte nichts. So blieb dem 
Kaiser, nachdem er nochmals einen reifen und trefflichen Reform— 
plan vergebens eingereicht hatte, nichts übrig, als sich in sein 
Schicksal zu ergeben. Er mußte mit ansehen, wie man in 
Deutschland auf die besseren Zeiten nach seinem Tode zu hoffen 
begann, und seine äußere Politik zeigt von nun ab ein immer 
rastloseres Hin und Her diametral entgegengesetzter Pläne und 
ein immer traurigeres Mißlingen.
	        
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