Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Wirtschaftliche und soziale Wandlungen vom 14. zum 16. Jahrh. 53 
Selbstverständlich fiel ihm die bisherige Abgrenzung der 
lokalen deutschen Handelsgebiete zum Opfer. Hatte man noch 
im 13. Jahrhundert von einem halb geschlossenen Rhein-⸗, Donau⸗ 
und Elbgebiet des Handels sprechen können!: jetzt brachen 
diese Schranken zusammen und nur die große Scheidung zwischen 
dem süddeutschen Handel Nurnbergs, Augsburgs, Ulms, Straß⸗ 
burgs, Frankfurts, und dem norddeutschen Handel der Hanse 
blieb noch bestehen, bis auch sie durch das Vordringen der 
Süddeutschen nach Ungarn, Polen und Rußland wenigstens 
teilweis durchbrochen ward. 
Aber bevor und während der internationale Handel lösend 
wirkte, waren in Deutschland selbst die Vorbedingungen einer 
reißenden Zunahme des Verkehrs geschaffen worden. In den 
süddeutschen Städten erwachten größere Manufakturen; im 
15. Jahrhundert war hier schon die Art des Unterschiedes 
zwischen Tagelohn und Stücklohn, waren die Vorteile moderner 
Arbeitsteilung bekannt. Und im 16. Jahrhundert erwuchsen 
diese Städte wohl mit zu den größten Industriecentren in 
Europa überhaupt, sehr im Gegensatz zu den reinen Handels— 
städten der norddeutschen Hanse; noch heute sieht man, wenn 
man von Lübeck her über die alten wendischen Hansestädte 
Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald nach Berlin fährt, 
erst in Eberswalde eine auffallende Zahl von Fabrikschorn— 
steinen. Um so reger waren die norddeutschen Städte wenig— 
stens am Vertrieb der süddeutschen Industrieerzeugnisse beteiligt; 
die nordischen Völker standen noch bis ins 17. Jahrhundert 
hinein unter der industriellen Obmacht Deutschlands, und in 
verwandter Lage waren Polen und Ungarn. 
Neben die städtischen Industrien aber traten seit dem 
14. Jahrhundert immer einschneidender ländliche. Vor allem 
der Bergbau kommt hier in Betracht, wenngleich sich in seinen 
Mittelpunkten rasch Städte mit gleichsam amerikanischer 
Vgl. Band III S. 18 ff., besonders S. 21f.
	        
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