Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
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Schnelligkeit erhoben: Goslar, unter König Heinrich J. noch 
ein einsamer Hof an der Gosse, 979 schon Pfalz an Stelle 
der Pfalz Werla, wovon es bis dahin abhängig gewesen war, 
zählte in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bereits vier 
Pfarrkirchen, zwei Stifter und zwei Klöster, und seinem Vor— 
bild rapiden Wachstums folgten in der Zeit, die uns hier 
beschäftigt, Freiberg und Schneeberg, Kuttenberg und Iglau. 
Denn in Sachsen und Böhmen vor allem, ferner in Tirol war 
der deutsche Bergbau zu Hause, obwohl seit dem 14. Jahr— 
hundert auch in den Vogesen, im Schwarzwald und sonstwo 
geschürft ward. So entstanden vielerorten große bergbauliche 
Unternehmungen, anfangs im Sinne sozial⸗-kooperativer freier 
Gewerkschaften, wie sie den älteren Pfännerschaften der Salinen 
nachgebildet wurden, später auch im Sinne angehender indivi— 
zualistischer Großindustrie, und massenhaft wurde ihre Ausbeute 
auf den Markt, in den Strom des immer zunehmenden Ver— 
kehrs geworfen. Schon am Ende des 15. Jahrhunderts gewährte 
der deutsche Bergbau auf Silber die Möglichkeit, von der 
spärlichen Ausprägung von Goldmünzen und Wertzeichen 
dünneren Silberblechs hinweg zur Ausprägung schwerer Silber⸗ 
stücke überzugehen; in Oberdeutschland erscheinen die Dick— 
blafferte, in Tirol, Osterreich und Sachsen die großen Groschen 
im Werte der rheinischen Goldgulden und bald die Thaler, 
bis das Reich in der Ettlinger Münzordnung die reine Silber— 
währung einführt. 
All diese Thatsachen erklären, daß auch der Binnenhandel 
im Verlaufe des 14. und 15. Jahrhunderts mächtig anschwoll. 
Jetzt kamen die großen Messen empor, zuerst die von Frankfurt 
am Main, seit 1330 zweimal im Jahre abgehalten, seit 1384 
in ihrer Dauer um je 14 Tage erweitert, dann die Messen zu 
Leipzig und Frankfurt an der Oder. Jetzt nahm der Rhein— 
handel einen gewaltigen Aufschwung; weit hinaus wuchs die 
Zahl der Rheinschiffe über die kleinen Häsen der Frühzeit, 
deren einer noch heute in Dordrecht erhalten ist, und der Um— 
jatz in Köln stieg von etwa 87 Millionen Mark im Jahre
	        
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