Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Zweites Kapitel. 
zeigte sich am deutlichsten der Erfolg des neuen Verkehrslebens. 
Hatte im 14. Jahrhundert der Zinsfuß für Rentenkäufe im 
allgemeinen noch auf 1000 gestanden, so sank er in Basel seit 
den achtziger Jahren dieses Jahrhunderts auf 80/0, seit den 
ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts auf 50/0, später auf 
M/a, ja zeitweise 40/0. Und im Gebiete der Mosel und des 
Mittelrheins war der Verlauf ganz ähnlich. Dem entsprach 
es, wenn die Preise unter sonst wesentlich gleichbleibenden 
Verhältnissen zu steigen begannen. Hierin aber lag ein neuer 
Anreiz zur Produktion wie zur kaufmännischen Spekulation 
der bürgerlichen Kreise; immer rascher ward der durch den 
Handel an sich schon beschleunigte Verlauf wirtschaftlicher 
Thätigkeit. Ein Hasten kam in die städtische Bevölkerung des 
ausgehenden Mittelalters, das den Zeitgenossen im Vergleich 
zu früherer Muße nicht minder auffiel, als uns die Emsigkeit 
unserer Tage; der Begriff der Zeit in moderner Auffassung 
begann durchzudringen; in Nürnberg schlugen im 16. Jahr— 
hundert vier Turmuhren schon die Viertelstunden; zuviel Feier⸗ 
tage galten bereits als Unglück, und Sebastian Franck nannte 
zum erstenmal die Zeit ein teures Gut, dessen wir so karg sein 
sollen, daß wir niemals etwas Unnützes thun. 
Eine neue Lebenshaltung, die Lebenshaltung des kapital⸗ 
reichen Unternehmertums war aufgekommen; sie mußte zu einer 
pölligen Revolution der bürgerlichen und städtischen Verhält— 
nisse des 14. Jahrhunderts führen. 
II. 
Die Bürger des 18. und 14. Jahrhunderts waren im 
allgemeinen nicht reich gewesen. Was sie an Kapital besaßen, 
war im wesentlichen Arbeitskapital gewesen, die für das 
Geschäft des Handwerkers oder Kaufmanns notwendige Aus— 
stattung mit Werkzeug und geschäftlichen Hilfsmitteln. Es 
hatte zwar auch schon Leute gegeben, die ihr Kapital als einen 
Fonds von Renten anlegten, meist in der Form von, Hypo⸗ 
theken; und das 14. und 15. Jahrhundert erweiterte die Zahl
	        
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