Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Zweites RKapitel. 
lichen Recht der Rechtsprechung und von der staatlichen Pflicht 
der Kriegsbereitschaft geschieden, der Unmöglichkeit anderer noch 
höherer politischer Anteilnahme nicht zu gedenken. Er war 
hinabgestoßen in den Pfuhl eines halb tierischen, dumpf dahin— 
brütenden Lebens; das Dasein in dieser Welt besaß für ihn 
keine Ideale mehr. 
Oder hätte er sie etwa in der Beteiligung an dem Ver— 
fassungsleben seines Dorfes finden sollen? Gewiß galt hier 
noch die Selbstverwaltung der Markgenossenschaft; im engsten 
Horizont war dem Bauer gestattet, offen umher zu blicken. 
Aber die Markverfassung, die freie Tochter einst freier und 
groß gedachter staatlicher Institutionen, war in ihren glänzendsten 
Zügen längst der wirtschaftlichen Sorge ums bloße Auskommen 
erlegen. Anderthalb Jahrtausende fast trennten den Bauer von 
dem Ausspruch des Tacitus: et supeérest ager. Ein Jahr— 
tausend war vergangen, seitdem in den alten Marken die Hufe 
als die genügende Grundlage für den wirtschaftlichen Bestand 
einer Bauernfamilie ausgelegt worden war. Fünf Jahrhunderte 
war es her, seitdem jener volle Ausbau des Mutterlandes be— 
gonnen hatte, der den nachgeborenen Söhnen noch einmal ge— 
stattet hatte, in der Heimat einen vollhäbigen Sitz zu erwerben!. 
Vier Generationen etwa waren verflossen, seitdem der deutsche 
Osten kolonisiert worden war im Auszug aller jener über— 
schüssigen Kräfte des Mutterlandes, die daheim eine sichere 
Stätte nicht mehr gefunden hatten. Jetzt gab es für solche 
Kräfte keinerlei Aussicht mehr. Sie blieben im Lande, sie 
drückten es. 
Die alte Hufe als Einheitsgut der bäuerlichen Familie 
ward jetzt auch in minder bevölkerten Gegenden zum Traum 
früherer Zeiten. Schon um das Jahr 1100 waren an der 
Mosel pfleglose Hufen selten geworden, bereits im 12. und 
13. Jahrhundert begannen sich hier und anderswo neben den alten 
Vollbauern Kossaten, Büdner, Häusler als ein Stand ländlicher 
Kleinleute zu bilden. Und immer mehr verstärkte sich dieser 
Vgl. Band III S. 51 ff.
	        
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