thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

818 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Napitel. 
treten. Jetzt nun, am Schlusse des Feldzugsjahres, rief 
Hsterreich die Vermittlung Frankreichs an, und Frankreich 
nahm sie an unter der Bedingung, daß mit ihm zugleich auch 
Rußland vermittle. 
Darauf kam es zu einem lebhaften Hin und Her von 
Verhandlungen, und endlich einigte man sich auf einem Kongreß 
zu Teschen an der Elbe am 13. Mai 1779, dem Geburtstage 
der Kaiserin Maria Theresia, darauf hin, daß sterreich nur 
einen kleinen Teil Bayerns, das Innviertel, erhalten, und daß 
das Erbrecht des Pfalzgrafen von Zweibrücken sichergestellt 
werden sollte. Die Bürgschaft des Friedens aber übernahmen die 
beiden vermittelnden Großmächte Frankreich und Rußland: 
ein Umstand, der Rußland das Recht einer verwandten Ein— 
mischung in die deutschen Angelegenheiten eröffnete, wie es 
Frankreich schon seit 1648 besaß, und im Grunde besagte, daß 
Friedrich dem Großen eine Ordnung der eigenen, deutschen Ver— 
hältnisse in seinem Sinne doch nicht völlig ohne fremde Hilfe 
gelungen war. 
Freilich: die Zeitgenossen sahen diese Lücke in den Er— 
folgen des Königs nicht. Ihre Meinung sprach vielleicht am 
besten, wenn auch emphatisch, die geistreiche Marie Antonie 
von Sachsen aus, die mit Friedrich dem Großen und Maria 
Theresia zugleich im Briefwechsel stand: „Man dachte 1777, 
daß Friedrich, Sieger in drei Kriegen, Gesetzgeber und Vater 
seiner Völker, sich höher nicht erheben könne ... Bis dahin 
hatte er vornehmlich für die Seinen gekämpft; jetzt kämpfte 
er für die anderen; er wurde der uneigennützige Schiedsrichter 
in den Händeln der Herrscher, das Werkzeug der obersten 
Gerechtigkeit, welche die Nationen richtet.“ 
Aber waren mit diesem entschiedenen Einschreiten Friedrichs 
die Ausdehnungsgelüste des jungen Kaisers nun wirklich be— 
seitigt? Friedrich glaubte es nicht, so sehr er wußte, daß 
Maria Theresia bis zum letzten Atemzuge jeder Verwirklichung 
dieser neuen, fast abenteuerlichen Phase der österreichischen 
Politik widerstehen würde. Aber 1780, mit dem Tode der 
Kaiserin, fiel diese Hemmung hinweg.
	        
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