562 Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel.
am sichersten und besten gewahrt; vornehmlich in den Jahren
1698 und 1699 sind sie in dieser Richtung tätig gewesen. All
diese Versuche, denen Frankreich unter gewissen, ihm günstigen
Bedingungen nicht entgegentrat, wurden aber, ganz abgesehen
von der Haltung des Kaisers, allein schon durch den Tod des
bayrischen Kurprinzen, am 6. Februar 1699, gestört. Von nun
an setzten die Bestrebungen Frankreichs am Madrider Hofe mit
doppeltem Eifer ein. Und als Karl II. starb und sein kurz
vor dem Tode abgefaßtes Testament eröffnet wurde, fand sich,
daß er Philipp von Anjou zum Universalerben der spanischen
Monarchie eingesetzt hatte.
Es war klar, daß jetzt alles zu einem gewaltigen Kriege
drängte, wenn nicht Ludwig XIV. in weiser Selbstbeschränkung
mindestens die Forderungen der Seemächte und daneben auch
die fest aufrechterhaltenen Erbansprüche des österreichischen
Hauses Habsburg auf irgendeine Weise befriedigte. Allein in
den vornehmlich von den Seemächten betriebenen Verhandlungen
erwies er sich als unzugänglich und hochmütig zugleich; und
so wurden England, die Niederlande und Hsterreich dem Ab—
schlusse eines Angriffsbundes, der später sogenannten Großen
Allianz, zugedrängt. Sie kam am 7. September 1701 im
Haag zustande. In ihr wurde im Grunde der Erbanspruch
der Bourbonen auf Spanien selbst anerkannt, indem abgemacht
wurde, Spanien und Frankreich sollten niemals in derselben
Hand vereinigt sein, und indem dem Kaiser eine „Satisfaktion“
für die Ansprüche seines Hauses in Aussicht gestellt wurde.
Diese sollte in den nichtspanischen europäischen Besitzungen der
panischen Monarchie bestehen: in den Niederlanden, in Mailand,
Neapel und Sizilien, in den spanischen Teilen Toskanas und
den spanischen Inseln des Mittelmeers. Den außereuropäischen
Besitz der spanischen Krone dagegen in Ost- und Westindien
wollten die Seemächte erobern und behalten und weiterhin um
die Freiheit ihres Handels auch in den westeuropäischen Ländern
und Gewässern kämpfen.
Man sieht: es war ein universales Programm, das dem
Angriffe gegen Frankreich zugrunde gelegt wurde; auch in der