Full text: Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

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in Zahlung nehmen mußte, konnte der Verkehr die überflüssigen Thaler 
mengen an die Reichsbank abschieben und dafür Goldgeld aus ihren 
Kassen an sich ziehen. Infolgedessen gestaltete sich die Zusammen 
setzung des Metallvorrates der Reichsbank und die Golddeckung der 
Reichsbanknoten überaus ungünstig. Im Durchschnitt des Jahres 
1881 hatte die Neichsbank einen Goldvorrat von nur 207 Millionen 
Mark, gegen 350 Millionen Mark in Thalern und Scheidemünzen; 
der Notenumlauf war mir zu 28 °/o durch Gold gedeckt 1 . Vorüber 
gehend waren die Verhältnisse noch beträchtlich ungünstiger als dieser 
durchschnittliche Stand. Die Lage wurde verschlimmert durch den da 
maligen Rückgang der Goldproduktion und durch große Goldbezüge für 
Italien unb die Vereinigten Staaten, welche beiden Länder damals den 
seit Jahren bestehenden Zwangskurs für Papiergeld und Banknoten 
beseitigten und die Barzahlungen in Gold aufnahmen. Unter diesen 
Verhältnissen war nicht nur eine Stärkung der Goldreserve der Reichs 
bank durch Herbeiziehung von Gold aus dem Ausland sehr erschwert, 
es war sogar bereits schmierig, den vorhandenen kleinen Goldvorrat 
zu verteidigen, und die Reichsbank sah sich zu diesem Zweck genötigt, 
hohe Diskontsätze zu halten. Es ist ihr gelungen, über diese schwie 
rige Zeit hinauszukommen, ohne daß der Bestand der deutschen Gold 
valuta erschüttert worden ist. 
Seit dem Jahre 1883 bewegt sich die Goldgewinnung in auf 
steigender Linie. Die Reichsbank hat es verstände!,, einen erheblichen 
Teil des neuproduzierten Goldes für das deutsche Geldwesen zu ge 
winnen. In den 13 Jahren von 1885 bis 1807 hat sie für 1626 
Millionen Mark Gold in Barren und fremben Münzen angekauft. 
Der weitaus größte Teil dieses Goldes wurde den deutschen Münzen 
zur Ausprägung in Reichsgoldmünzen überwiesen. Voir 1885 bis 
Ende 1897 wurden irr Deutschlaird Reichsgoldnrünzen im Betrag vorr 
1308 Millionen Mark neugeprägt, alle ans Rechnung der Reichsbank. 
Ein Teil des airgekauften Goldes wurde zur Verstärkung des Vestairdes 
der Neichsbank an Gold irr Barren und fremben Sorten benutzt, 
der sich vom 1. Januar 1885 bis zum 31. Dezember 1897 von 72 
Millionen auf 305 Millioireir Mark erhöht hat. Der Nest, etwa 
85 Millionen Mark, wurde wieder verkarrft. 
1 Siehe meine Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform, S. 470. 
Dort ist zum erstenmal eine Statistik der Goldbestände der Reichsbank seit ihrer 
Begründung mitgeteilt.
	        
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