190 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
höchster Erbitterung voll, sehr eigenartige Wege gewandelt.
Unter Abbruch aller bisherigen politischen Freundschaften hatte
er sich, anfangs mit Zurückhaltung aufgenommen, dennoch
Frankreich genähert, und am 25. Oktober 1679 war zwischen
ihm und Ludwig XIV. ein Geheimvertrag zustande gekommen,
der erst neuerdings bekannt geworden ist. In diesem Vertrage
versprach der Brandenburger, gegen Sicherstellung seiner Be—
sitzungen durch Frankreich und Zahlung von 100000 Livres
jährlich, französischen Heeren das Durchzugsrecht durch seine
Lande zu gewähren, in Polen die Wahl des französischen
Kandidaten, des Sohnes von König Sobieski, zu unterstützen —
und im Reiche bei einer künftigen Kaiserwahl unter Be—
kämpfung sterreichs für den König oder den Dauphin Frank—
reichs oder einen Frankreich genehmen Kandidaten einzutreten.
Es waren, soweit die Kaiserwahl in Betracht kam, Bedingungen,
die ähnlich auch der Kurfürst von Bayern eingegangen war
und der Kurfürst von Sachsen fast gleichzeitig einging: welche
Aussichten für die Zukunft des Reiches!
Enger aber gestaltete sich das Verhältnis Frankreichs doch
nur mit dem Großen Kurfürsten. Dem ersten Vertrage folgte
nämlich am 11. Januar 1681 ein zweiter, ein volles Defensiv⸗
bündnis, das den Kurfürsten auch zur Verteidigung der Re—
unionen im französischen Besitze verpflichtete: unter Erhöhung
der Jahressubsidie auf 100 000 Taler. Und als die kaiserlichen
und die deutschen Bundesbestrebungen gegen Frankreich immer
festere Form annahmen, folgte diesem Abkommen ein drittes,
vom 22. Januar 1682, in dem Frankreich sich verpflichtete,
sich mit der bisher gemachten Reunionsbeute zufriedenzugeben
und, unter Zusicherung einer Subsidie von 800000 Talern
ährlich im Falle eines Krieges, das Jahrgeld auf 400000 Livres
erhöhte.
Es sind Vorgänge, die im deutschen Fürstenleben des 17.
und auch noch des 18. Jahrhunderts nicht vereinzelt dastehen.
Mit furchtbarer Deutlichkeit erhellen sie das Wesentliche der
allgemeinen Lage: auf der einen Seite Frankreich, finanziell
glänzend gestellt, mit Einnahmen, die nicht bloß Raubkriege,