Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 555
gelöster Ordnung flüchtende Heer zurückließ. Freilich auch die
Deutschen hatten schwer gelitten, die Kaiserlichen zählten
7000 Mann an Toten und Verwundeten, die Brandenburger
auf ihre 6000 Mann 900; zahlreich waren namentlich die
Verluste an Offizieren. So war es unmöglich, die Vorteile
der gewonnenen Schlacht vollends zu verfolgen: Belgrad
wurde nicht genommen, und Großwardein fiel erst im folgenden
Jahre, am 5. Januar 1692.
Aber, was vielleicht schlimmer war, in diesem Jahre
verließ der Markgraf von Baden den türkischen Kriegsschauplatz,
um von nun ab, immer bedächtiger werdend, die Führung
der Kaiserlichen und der Reichstruppen am Oberrhein gegen
Frankreich zu übernehmen, und sein Nachfolger, Friedrich
August, seit 1694 Kurfürst von Sachsen, der nachmalige August
der Starke, bewährte sich nicht. Erst als nach dem Tode des
Polenkönigs Johann Sobieski, am 17. Juni 1696, Friedrich
August unter dem Wechsel seiner Konfession im Juni 1697
die polnische Königskrone erlangt hatte und damit vom
Kriegsschauplatze geschieden war, erhielten die Dinge wiederum
ein anderes Gesicht. Ja der Umschwung war radikal. Denn
zum Nachfolger des Kurfürsten wurde unter dem Jubel der
Armee, die ihn schon kannte und liebte, einer der jüngsten
Generäle, Prinz Eugen von Savoyen ernannt. Von Frankreich,
dem er zuerst seine Kriegsdienste augeboten hatte, zurückgewiesen,
hatte sich der Prinz in jungen Zahren Österreich zugewandt,
um hier, gleich so manchem fremden Fürsten und Edelmann,
eine neue Heimat zu finden; schon früh hatte er sich in den
Türkenkriegen, in einer der ersten Schlachten, der von Parkany,
ausgezeichnet; und jetzt hatte Rüdiger von Starhemberg, der
Präsident des Hofkriegsrates, erklärt, es gebe niemand, „der
mehr Verstand, Experienz, Applikation und Eifer zu des Kaisers
Dienft, der ein generoser und uninteressierteres Gemüt, auch die
Lieb und Experienz bei der Miliz“ in höherem Maße besäße als er.
Prinz Eugen übernahm das Kommando im Sommer 1697
und führte zunächst in kurzer Zeit eine Reorganisation der
Armee durch, daun wandte er sich dem Kampfe zu, in dessen