Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

358..Einundzwanzigstes Buch. Zweites Kapitel. —— 
vorteilhaften Friedensschluß von Rijswijk. Sicherte der eine 
immerhin die Westgrenze, so schuf der andere für die deutsche 
Vormacht des Südostens ein Gebiet schier unendlicher Aus— 
breitung im Südosten: stolz immerhin konnte man dem Abschluß 
des Jahrhunderts entgegensehen. Für Hsterreich insbesondere 
erwuchsen freilich aus seiner nunmehr unbestrittenen Stellung 
als europäische Großmacht neue Aufgaben und neue Entschlüsse: 
und für deren Richtung war maßgebend, daß jetzt ein Kampf 
um das spanische Erbe der Habsburger bevorstand, der beinahe 
das ganze zivilisierte Europa in Bewegung setzte. 
III. 
Spanien war seit der Zeit der großen Entdeckungen und 
mit den Jahren der neuen katholischen Frömmigkeit der Gegen⸗ 
reformation zur führenden Macht Europas herangewachsen; 
ja die Grundlagen von einer mehr als europäischen Universal⸗ 
monarchie schienen in seiner Entwicklung hervorzutreten. Es 
war eine Bildung, die, namentlich auch durch ihre Übergriffe 
nach Italien und ihr Verhältnis zum Papsttum, tatsächlich die 
Rolle des alten Römischen Reiches deutscher Nation über⸗ 
nommen zu haben schien und darum den Neid Frankreichs 
erweckte, insofern dieses sich als den gegebenen Nachfolger der 
zentralen Stellung des mittelalterlichen Imperiums ansah, 
üͤbrigens auch der Eifersucht Deutschlands hätte begegnen 
müssen, wäre hier das Reich noch eine Einheit gewesen und 
wären die persönlichen Gefühle der herrschenden Kaiser nicht 
dadurch abgedämpft worden, daß eben ein Zweig ihres Hauses 
in Spanien herrschte. Und es war eine Bildung, die, insofern 
sie über Europa hinausgriff, zugleich den kolonialen und 
kommerziellen Wettbewerb der anderen seefahrenden Nationen, 
hor allem der teutonischen, der Niederländer und Engländer, 
weckte und wecken mußte, je mehr diese ihre Macht zu Meere 
entfalteten. 
Von den auf diese Weise entstehenden Rivalitäten waren 
um 1700, zu den Zeiten, da man in Spanien mit dem Hingang
	        
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