Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

308 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
fürsten und selbst noch den Staat seiner nächsten Nachfolger 
bestanden. Über diese Lage aber hob sich Ernst August von 
Hannover wiederum noch weiter durch die wenigstens teilweise 
erfolgreiche Erwerbung Sachsen-Lauenburgs, namentlich aber 
durch ein neues verfassungsmäßiges Moment: es gelang ihm, im 
Jahre 1683 die kaiserliche Bestätigung eines Primogeniturstatutes 
zu erhalten und dessen Recht auch gegen schweren Widerspruch in 
seiner Familie durchzusetzen: und damit für die Einheit der 
von ihm straff und trefflich regierten Ländermasse eine Gewähr 
zu erhalten, wie sie innerhalb der Hierarchie des deutschen 
Reichsfürstentums durchgängig nur die Kurfürsten besaßen. 
Sollte nun diesen Errungenschaften nicht auch die Kur— 
würde selbst folgen? 
Schon seit längerer Zeit hatte das Welfenhaus seine 
Erhebung zu ihr in der eigenartigen Form vorbereitet, daß 
es an die Spitze des uralten Widerstandes getreten war, den 
die deutschen Fürsten der besonderen Bevorrechtung der Kur— 
fürsten entgegenstellten: eben auf diese Weise mit hatte es 
sich zur ersten Stelle im Fürstenstand und damit zur ersten 
Anwartschaft auf eine vielleicht einmal zu schaffende neue 
kurfürstliche Würde emporgetrieben. 
Der Gedanke an weitere kurfürstliche Wurden neben den 
bestehenden aber war seit den Zeiten der Reformation eine 
immer wieder auftauchende Erscheinung, sobald innerhalb des 
Kurfürstenkreises die konfessionelle Parität gestört erschien; in 
diesem Zusammenhange war z. B. noch jüngst, im Jahre 1653, 
oon der Errichtung einer neunten, evangelischen Kur die Rede 
zewesen. Ganz ernstlich wurde dann in die Erörterung dieser 
Verhältnisse vor allem seit dem Jahre 1685 eingetreten, in 
welchem durch das Aussterben der protestantischen Pfälzer 
Kurlinie das katholische Haus Pfalz-Neuburg in den Besitz der 
Pfälzer Kur gelangte: so daß nun nur noch zwei protestantische 
Kurstimmen, nämlich die von Sachsen und Brandenburg, vor— 
handen waren. 
Natürlich machte sich das Welfenhaus, und in ihm wiederum 
der weitaus energischste Fürst, Ernst August von Hannover,
	        
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