Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 611 
Innerhalb der wettinischen Länder, in dem breiten Ebenen— 
und Hügelgebiete zwischen Harz, Thüringerwald und Erzgebirg, 
war die Entwicklung der der Welfenländer längere Zeit hindurch 
insofern ähnlich verlaufen, als es auch hier zu einer Zer— 
splitterung des Besitzes gekommen war, und als die jüngere, 
albertinische Linie des Herrscherhauses vor der älteren, 
ernestinischen in den Vordergrund trat. Denn während diese 
sich in dem Thüringer Höhengebiete in zahlreiche, bald teil— 
weise vereinigte, bald teilweise noch weiter auseinandergehende 
Linien spaltete, die in dem Kreise der kleinen thüringischen 
Staatenwelt zum Teil noch heute fortleben, wurde jene, seit 
Moritz Trägerin des Kurhutes, allein schon durch diesen Um— 
stand an weiterer Zersplitterung verhindert. Zwar ist es auch 
hier, infolge des Testamentes Johann Georgs J. vom Jahre 
1652, zur Entwicklung von drei Seitenlinien, von Weißenfels, 
Merseburg und Zeitz, gekommen; aber diese Linien waren nicht 
von langer Dauer; und anderseits hatte der Friede von Prag, 
1635, den Kurlanden den Besitz der Nieder- und Oberlausitz 
eingebracht. Bedenklicher war es in gewissem Sinne für die 
Entwicklung des äußeren Ansehens und auch der inneren Kraft 
Kursachsens, daß seine Herrscher starr an dem lutherischen 
Konservatismus festhielten, obwohl dieser schon seit der zweiten 
Hälfte des 16. Jahrhunderts seiner Veraltung entgegenging. 
Sie gerieten dadurch im Bereiche der Reichspolitik in einen immer 
feindlicheren Gegensatz gegen die Reformierten: was wiederum 
ein ständiges Anlehnungsbedürfnis an die Vormacht der anderen, 
konfessionell konservativen Kirche, an Österreich zur Folge hatte. 
Und wurde diese jAnlehnung vielleicht ebensosehr aus wirt⸗ 
schaftlichen Gründen erfordert, da Österreich als Hinterland 
und Durchgangsland weiterer, östlicherer Hinterländer der 
Leipziger Messen wie als Absatzgebiet der erzgebirgischen In— 
dustrie in der Lage war, auf das Wirtschaftsleben des Kur— 
staates beinahe entscheidend einzuwirken: so trat doch diesem 
Zusammenhange, der bei entsprechender Berücksichtigung zur 
höchsten Blüteentwicklung des Handels und Gewerbes hätte 
dienen können, wiederum die Tatsache entgegen, daß sich auf
	        
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