340 Cinundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
begründeten Furcht davor, daß die Dänen die jetzt voll zutage
liegende Ohnmacht der Schweden an den südlichen Küsten des
Balticums zu einem Angriffe auf Holstein ausnützen möchten:
daß also die politische Lage am Beginne des nordischen Krieges
für die Gottorper wiederkehren werde. Um dies zu vermeiden,
suchte er die Hilfe des Generalstatthalters der schwedischen
Gebiete auf dem Reichsboden, Grafen Wellingk, zugleich aber
auch die Unterstützung Preußens nach. Und unter den uns
bekannten politischen Dispositionen in Berlin gewann er sie.
Am 22. Juni 1713 kam zwischen Holstein und Preußen ein
Vertrag zustande, in dem Preußen versprach, seinen Einfluß
für die Erhaltung der Gottorper Souveränität und für die
Erfolge des gottorpischen Hauses in Schweden geltend zu
machen: wogegen ihm die künftige Abtretung von Stettin und
Pommern bis zur Peene in Aussicht gestellt wurde. Zur Er—
reichung der Vertragsziele sollten preußische und holsteinische
Truppen alsbald Stettin und Wismar sowie Schwedisch-Vor—
pommern besetzen und in Neutralität und Frieden erhalten in
der Form eines Sequesters, das erst aufgehoben werden sollte,
wenn Schweden nach geschlossenem Frieden die Zahlung der
Sequestrationskosten geleistet haben würde.
Es war ein Schritt, der allerdings von dem schwedischen
Kommandanten von Stettin, General von Meyerfeldt, ebenso⸗
wenig anerkannt wurde, wie er die Billigung Karls XII. fand;
aber eben dies war ein Grund, daß die nordische Koalition
das preußische Recht auf die Sequestration Pommerns gelten
ließ und damit immerhin ein Präjudiz schuf für den künftigen
Anfall des Landes an Preußen. Und hierin trat auch da—⸗
durch keine Anderung ein, daß die Schweden in Stettin am
29. September 1713 gegenüber den Koalierten kapitulieren
mußten, die die Stadt unter dem Fürsten Menschikoff belagerten.
Im Gegenteil: von Preußen wurde bei dieser Gelegenheit ein
weiterer Stein im Brett gewonnen. Friedrich Wilhelm schloß
am 6. Oktober 1713 persönlich mit Menschikoff einen Vertrag
dahin ab, daß er, gegen Zahlung von 400000 Taler an die
Koalierten, welche Schweden bei einem künftigen Frieden ersetzen