fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickld. preuß. Königtums. 639 
Wilhelm J., wurde durch den Frieden von Utrecht vom 
11. April 1713, der, wie wir wissen!, der Hauptsache nach 
den spanischen Erbfolgekrieg beendete, in der Disposition über 
sein Heer bei weitem freier: zudem begann er sofort die 
Sanierung der Finanzen und stellte noch im ersten Jahre 
seiner Regierung sieben neue Regimenter auf: überraschend 
schnell, ja wie sich später zeigte, im Grunde voreilig entfaltete 
sich ein neues Preußen und griff unter einem neuen Könige 
nun auch in den Verlauf des nordischen Krieges ein. 
Natürlich geschah dies zunächst nur im kleinsten — noch 
im November 17183 bezeichnet sich Friedrich Wilhelm als jeune 
commenceur — und unter der von der Großen Allianz über— 
kommenen Flagge der Neutralität, dabei von vornherein mit 
dem Gedanken, eigenen Gewinn zu machen, besonders das so 
lang schon umworbene Pommern zu erlangen, sowie mit dem 
Gefühl, daß es grundsätzlich wohl am besten wenn auch schwer 
auszuführen sein werde, sich zu guter Letzt vor allem der 
russischen Übermacht zu erwehren. 
Wollte aber Preußen den Weg einer solchen Politik gehen, 
so empfahl es sich von vornherein, die Sceylla der Großen 
Allianz ebenso wie die Charybdis der nordischen Koalition zu 
vermeiden und mit der einzigen wichtigeren und in diesem 
Augenblicke auch besonders zugänglichen kleinen Macht der 
nordischen Politik zusammenzugehen: mit Holstein-Gottorp. 
Im Hause der holstein-gottorper Herzöge war inzwischen 
Friedrich IV., der Schwager Karls XII., im Jahre 1702 in 
der Schlacht bei Clissow gefallen; und für seinen Sohn Karl 
Friedrich, dem bei der Kinderlosigkeit Karls XII. eine an— 
scheinend ziemlich sichere Aussicht auf den schwedischen Thron 
winkte, hatte ein Oheim und noch mehr an dessen Stelle ein ver⸗ 
wegener Minister, der Freiherr von Goertz, die Regierung zu 
führen begonnen. Dieser befand sich nun nach der Kapitulation 
jenes Steenbockschen schwedischen Heeres, das in der Gottorpschen 
Festung Tönningen eine letzte Zuflucht gefunden hatte, in einer 
S. oben S. 582 ff.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.