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nach Erkenntnis, sie dienen aber auch dazu, die Bedeutung einzelner Probleme
richtig zu erfassen. Man kann keine Wissenschaft treiben, indem man Einzel
untersuchung an Einzeluntersuchung reiht. Um eine Einzeluntersuchung an
stellen zu können, muß man bereits die allgemeinen Ziele kennen, die man
verfolgt, man muß, wenn auch nur unbestimmt, sich davon ein Bild zu machen
trachten, was wohl als unwichtig vernachlässigt werden darf, was als wichtig
besonderer Beachtung wert erscheint. Die Wissenschaft gibt uns so weite
Perspektiven, sie deutet Entwicklungsrichtungen an, sie läßt uns aber auch oft
Keime des Zukünftigen erkennen, an denen wir achtlos vorübergegangen wären,
hätte sie unser Auge nicht für das werdende Gebilde geschärft.
2. Verschiedenartigkeit der Kriegswirkung.
Grundsätzliche Organisations Verhältnisse.
Wenn wir uns daran machen, die Wirkungen des Krieges und der Rüstungen
zu untersuchen, so zeigt sich, daß wir kaum so bald dazu gelangen dürften,
diese Frage allgemein zu beantworten, sind doch die Wirkungen des
Krieges bei den verschiedenen Völkern und zu verschie
denen Zeiten je nach der Verschiedenheit der gesellschaft
lichen Organisation überaus verschieden. Die scheinbar nahe
liegendsten Argumente erweisen sich als verbesserungsbedürftig. Die ersten
tastenden Versuche mahnen bereits zur Vorsicht. Man bemüht sich zum Beispiel
vielfach, die Wirkungen des Krieges etwa in der Weise zu bestimmen, daß
man alle Menschen, welche der Krieg tötet, alle Menschen, welche die stehende
Armee aufsaugt, nach ihrer Produktionsfähigkeit abschätzt und die Gesamtheit
der so vernichteten Produktivkräfte als reinen Verlust in Abzug bringt. Abge
sehen davon, daß man außerdem noch den Gewinn des Krieges in Anrechnung
bringen muß, ist auch die angedeutete Betrachtungsweise nicht immer am
Platze; und zwar deshalb nicht, weil sie davon ausgeht, daß alle Organisationen,
vor allem diejenige, in der wir leben, eine volle Ausnützung der Kräfte in
normalen Zeiten kennen. Dies ist nun nicht der Fall. Man kann sich zwar
Organisationen denken, welche alle Kräfte voll ausnützen, unsere Organisation
gehört nicht zu ihnen. Jedem ist der Ausdruck „Überproduktion“ bekannt.
Man kennt eine Überproduktion an Büchern, an Tuch, an Ärzten usw. Was
bedeutet dieses Wort? Offenbar nicht, daß mehr produziert wird, als man
konsumieren kann. Denn es ist doch klar, daß es immer noch Menschen gibt,
welche für Bücher Verwendung hätten, daß es Menschen gibt, die eines Arztes
bedürfen, daß es Menschen gibt, welche sich ungenügend bekleiden. Unter
dem Worte Überproduktion versteht man etwas anderes, es bedeutet, daß die
weitere Produktion den Produzenten keine Vermehrung des Reingewinnes bringen
würde. Tabelle I zeigt uns, wie wir uns etwa die Tatsache zu erklären
haben, daß bei steigender Produktion die Rentabilität abnimmt. Wir sehen.
Tabelle I
Fallende Rentabilität bei steigender Produktion
Anzahl der
produzierten
Stücke
Selbstkosten
Erlös
Reingewinn
per Stück
im Ganzen
per Stück
im Ganzen
per Stück
im Ganzen
in %
100
150
200
12,0
9,3
7,5
1200
1400
1500
12,6
9.8
7.8
1260
1489
1575
0,6
0,5
0,3
60
84
75
5
6
5
wie der Rheingewinn des Produzenten im vorliegenden Falle zwar absolut und
prozentuell ansteigt, wenn er 150 Stück statt 100 erzeugt, wir sehen aber auch.