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III.
Einführung in die Kriegswirtschaftslehre.
(1914.)
Vorbemerkungen zur Aufsatzreihe.
Zweck der im folgenden abgedruckten Vorlesungen war es, eine allge
meine Orientierung über die wichtigsten Probleme zu bieten und vor allem
das Wesentliche an den verschiedenen Fragestellungen und Betrachtungsweisen
zu zeigen. Von einem systematischen Aufbau würfe abgesehen. Ein solcher
wäre auch heute noch sehr schwierig zu geben, da die Kriegswirtschaft
lehre eine junge Disziplin ist, wird doch im folgenden das erste
M a 1 der Versuch gewagt, sie als Ganzes theoretisch zu skizzieren. Wenn
auch alle kriegswirtschaftlichen Fragengruppen Berücksichtigung fanden, so war
es doch andererseits naheliegend, vor allem an die Beschaffung der für den
Krieg erforderlichen Mittel anzuknüpfen. Es sei ausdrücklich hervor
gehoben, daß die folgenden
Apologie des Friedens, noch
sprung verdanken, sondern
tragen.
Wien, im Mai 1914.
Ausführungen weder einer
einer des Krieges ihren Ur
re in objektiven Charakter
1. Die Kriegswirtschaftslehre als Sonderdisziplin.
Die Volkswirtschaftslehre beschäftigt sich mit der
Frage, wie der Wohlstand von der Art der gesellschaft
lichen Organisationen abhängt, welche die Verteilung der
Güter und deren Erzeugung beeinflussen. Sie ist noch nicht
genügend durchgebildet, um ausreichend abgegrenzt werden zu können. Ähn
lich steht es begreiflicherweise mit ihren Teilgebieten, die unter der mangel
haften Entwicklung der Gesamtwissenschaft mit zu leiden haben. Man kann
Wirtschaftsorganisationen verschiedener Art untersuchen und sie nach ver
schiedenen Gesichtspunkten klassifizieren. Eine dieser Abgrenzungen führt uns
dazu, die Wirkungen des Krieges und der Kriegsrüstungen
auf den Wohlstand der Menschen zu untersuchen. Ich habe
für diese Disziplin den Namen Kriegswirtschaftslehre in Vorschlag
gebracht. Wenn die Volkswirtschaftslehre bereits ganz ausgebaut wäre, müßten
alle Fragen, die sich auf diesem Sondergebiete ergeben, bereits beantwortet
vorliegen. Dies ist nur teilweise der Fall und man muß daher vielfach, um die
Kriegswirtschaftslehre einigermaßen vollständig abhandeln zu können, neue Be
trachtungen einfügen, die aber schließlich auch in der Gesamtwissenschaft
Aufnahme finden werden. Die Kriegswirtschaftslehre regt nämlich zu einer
Reihe fruchtbarer Fragestellungen an, da gerade durch den Krieg sehr auf
fallende Erscheinungen hervorgerufen werden, die einer genauen Untersuchung
wert sind.
Bisher gibt es zwar schon eine Reihe trefflicher kriegswirtschaftlicher
Sonderarbeiten, so von Rieß er, Jöhrs, Voelcker und anderen, aber noch keine
zusammenfassende Darstellung. Dies erklärt sich zum Teil daraus,