Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

350 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
III. 
In der Mark Brandenburg hatte sich schon in verhältnis— 
mäßig früher Zeit, im 12. und 13. Jahrhundert, ein besonders 
reges staatliches Leben gebildet!, dem dann freilich im 14. Jahr⸗ 
hundert auch ein besonders tiefer Verfall gefolgt war. Darauf 
hatten, im 15. Jahrhundert, die Hohenzollern, ausgestattet mit 
fränkischem, süddeutschem Kapital, gegenüber der Anarchie des 
14. Jahrhunderts Ruhe geschaffen?; zugleich hatte das Land 
im 16. Jahrhundert seinen alten Umfang wieder erreicht und 
hier und da sogar überschritten. 
Gleichwohl war das 16. Jahrhundert keine Zeit auch nur 
inneren Aufschwungs: in Verfassung wie Verwaltung taten es 
andere Territorien Brandenburg entschieden zuvor. Anfang 
des 17. Jahrhunderts, unter dem Kurfürsten Johann Sigis— 
mund (1 1619), stand das Land darum geistig wie materiell weit 
unter dem allgemeinen Durchschnitt der deutschen Territorien. 
Geistig war höheres Leben überhaupt erst mit der 
Reformation eingezogen. Aber auch hiermit war doch im 
Grunde sehr wenig erreicht worden; von höheren Interessen 
finden sich nur Spuren, die gesellschaftlichen Sitten blieben 
roh und derb; noch galt auch jetzt noch wenigstens teilweise 
die Beobachtung des Trithemius, daß die Märker durch Trunk 
den Tod beschleunigten. 
Die materielle Unterlage des Lebens bildete ein fast noch 
ganz naturalwirtschaftlicher Zustand. Der Charakter der Mark 
vornehmlich als westöstliches und nordwest-südöstliches Durch— 
zangsland war mit dem Verfall der Hanse schwer geschädigt 
worden; fast beseitigt wurde er durch die Sperrung des 
Oderhandels (1572) und den damit aufs stärkste entwickelten 
Verlauf des Nordseehandels von Hamburg vornehmlich auf 
Magdeburg und Leipzig, also elbaufwärts nicht in der Richtung 
der Havel und Spree, sondern in der des Mittellaufes der Elbe 
S. Bd. IIII.2 S. 410 ff. 
Bd. IVI.2.3 S. 411f.
	        
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