Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 651
und der Saale. Nicht minder war es für die Mark schädlich,
daß infolge der Sperrung des Oderhandels Breslau selbständig
emporblühte und nach Westen hin mit Leipzig immer stärkere
Beziehung pflog.
So sank denn die Mark, isoliert, bei weitem mehr auf
einen naturalwirtschaftlichen Stand zurück als die wichtigsten
umgrenzenden Territorien: schon um 1550 hatte es für das
ganze Land nur einen Pergamentmacher und einen Messing-⸗
schläger gegeben, und noch später hören wir von nur einem
Messerschmied und bloß von vereinzelten Schwarzfärbern,
Seidenstickern, Hosenstrickenn. Im Beginn des 17. Jahr—
hunderts konnte der Kurfürst dann klagen, daß alle Gewerke
im Lande schwer zurückgegangen seien; und vor allem galt
das von dem früher so bedeutenden Tuchgewerbe. Dem—
entsprechend waren die Städte klein; Berlin-Cöln hatte um
1600 gegen 14000 Einwohner, Brandenburg und Frankfurt
an der Oder je etwa 10000, Stendal 8000, Salzwedel 6000.
Dazu kamen noch etwa 26 Städte mit je 1600—-5000 Ein—
wohnern, der Rest, 42 Städte, brachte es nur etwa auf je
12-1500 Seelen.
Natürlich war es in einem solchen Lande schwer, starke
staatliche Gewalten im Sinne eines geldwirtschaftlichen Ab—
solutismus zu entfalten. Die Staatseinkünfte betrugen unter
Johann Sigismund schwerlich auch nur 280000 Taler jährlich.
Gewiß hätte man damit noch manches erreichen können, wenn
man gut haus gehalten hätte. Aber dem stellten sich die
übertriebenen Aufwendungen für den Hof entgegen: von den
Ständen wurde nachgewiesen, daß sich durch Entlassung über—
lüsfiger Hofbeamten etwa 57 000 Taler, also etwa ein Fünftel
der Einnahmen, ersparen ließen.
Den Aktiven standen zudem gegen Ende 1617 2142 257
Taler Schulden gegenüber, die vornehmlich wegen Erwerbung
Preußens und Cleves gemacht worden waren. Sie erforderten
fährlich etwa 140000 Taler Zinsen. Um diese zahlen zu
können, mußte man neue Schulden machen, ganz abgesehen
davon, daß Johann Sigismund gegen Ende seiner Regierung