408 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
lichem Dasein aus irgendeinem Grunde besonders günstigen
Stellen, und damit zur Stadtbildung und zur Entfaltung von
Anfangsformen der Geldwirtschaft. Da wird denn das Bürger—
tum früh Träger der staatlichen Entwicklung, Stadtstaaten er—
stehen und in ihnen eine bürgerliche Demokratie; es ist die
klassische Entwicklung vor allem von Hellas.
Darauf hat Alexander der Große die Kulturerrungen⸗
schaften dieser Welt in das Leben der Despotien des Orients
getragen. Es geschah mit den Mitteln des makedonischen
Königreiches, des einzigen größeren Landstaates auf der euro⸗
päischen Seite. Aber der Versuch, der kulturgeschichtlich von
der außerordentlichsten Bedeutung war, mißlang auf politischem
Gebiete. Ein Ausgleich der hellenisch-makedonischen und der
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einrichtungen kam nicht zustande; schon Alexander vermochte das
hellenisch gemilderte System des theokratischen Despotismus nicht
aufrecht zu erhalten, und sein Reich zerfiel unter den Diadochen.
Inzwischen war in Italien ein zweites, nun durchaus okzi⸗
dental charakterisiertes Weltreich zum Aufblühen reif geworden,
das römische. Von vornherein eröffnete die im Vergleiche
mit Hellas leichtere Zugänglichkeit der einzelnen italienischen
Landschaften dem römischen Stadtstaat, wenn er erobern wollte,
bessere Aussichten, während er für seine innere Durchbildung
den Vorteil besaß, die Erfahrungen der älteren griechischen
Stadtentwicklungen nutzen zu können; und griff man über
Italien hinaus, so erschienen für einen Eroberer die Fugen
der westlichen Welt durch die Vorarbeit der phönizischen Herr—
schaft Karthagos, die der östlichen durch den staatlich zersetzenden
Einfluß des Hellenismus gelockert.
War durch das Zusammentreffen all dieser Momente
der Übergang des kriegerischen Roms zu einer Universal—⸗
herrschaft der Mittelmeerländer überaus leicht gemacht und
fast gesichert, so erfolgte eben darum die Entwicklung besonders
rasch. Und die Folge wiederum hiervon war, daß sich die
inneren, naturgemäß ursprünglich demokratischen Institutionen
nicht in ruhiger und ebenmäßiger Reife umbilden und dem