Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Kösnigtums. 709 
unterstellt und teilten deren Schicksal; eine Handwerkerordnung 
Kaiser Karls VI. vom Jahre 1782 stellte darum alle Hand— 
werkszusammenkünfte unter Aufsicht eines von der Obrigkeit 
entsandten Kommissars. 
Von einer positiven, fördernden Einwirkung der Herrscher 
aber auf den Bürgerstand ist bei alledem auch hier nichts zu 
bemerken. Man übertünchte die Erscheinungen des Verfalls; 
mußte man sie aufdecken oder gar aufhalten, so griff man 
ungern ein und systemlos. 
Die Folgen dieser Politik für den Gesamtstaat waren 
klar: noch auf Generationen hin war nicht daran zu denken, 
daß das Bürgertum einen Kitt für die einzelnen Ländermassen 
abgeben, daß es überhaupt für die staatliche Idee mobil gemacht 
und in Dienst gestellt werden konnte. Der Steinschen Städte— 
ordnung in Preußen hat keine österreichische Ordnung ent— 
sprochen. sterreich hat sich damit für das 19. Jahrhundert 
um eine der wichtigsten Stützen einer großen gesamtstaatlichen 
und zugleich einer großen deutsch-nationalen Politik gebracht 
und dadurch auch dem im 19. Jahrhundert wesentlich bürger— 
lich charakterisierten Geistesleben innerhalb seiner Grenzen un— 
heilbare Wunden geschlagen: und eben mit alledem zu großem 
Teile den antiquierten Charakter seines neueren staatlichen 
Daseins überhaupt herbeigeführt. 
Versagte so das Bürgertum, ja versagten überhaupt alle 
Momente der sozialen Schichtung und Entwicklung gegenüber 
dem Bedürfnisse der Dynastie, einen gesamtstaatlichen 
Absolutismus zu begründen, so hätte sich vielleicht denken 
lassen, daß es der Zentralgewalt wenigstens gelungen wäre, die 
territoriale Einseitigkeit der einzelnen Landesverwaltungen 
innerhalb des Reichsverbandes mit irgendwelchen Mitteln nieder⸗ 
zukämpfen und dadurch wenigstens negativ, durch einen Akt 
zunächst der Zerstörung, eine gemeinsame Basis zentralen Zu— 
sammenhaltens zu schaffen. 
Allein auch auf diesem Gebiete wurde nichts erreicht. 
Kaiser Leopold hatte zur Kriegsführung gegen Franzosen und 
Türken bedeutende Geldmittel gebraucht, die nur die Stände
	        
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