782 Einundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
muß, nur sehr geringe Taxen und Imposten gelegt werden.“
Indes so viel auch für die Zunahme der Bevölkerung gesorgt
wurde, so wenig ließ sich verkennen, daß dem Staate Friedrichs
dazu, an der Spitze der deutschen oder gar der europäischen
Staaten zu marschieren, vor allem das Kapital, der Reichtum
der Bevölkerung fehlte. Und so wurde es Aufgabe einer mit
allen merkantilistischen Feinheiten und Erfahrungen aus—
gestatteten, Inneres wie Außeres in gleicher Weise umfassenden
Politik, vor allem diesen Reichtum, und an erster Stelle wieder
einen möglichst großen Reichtum des Staates herbeizuführen.
Im Vordergrunde der Erwägungen, die Friedrich auf
diesem Gebiete Zeit seines Lebens, vor allem aber seit dem
Siebenjährigen Kriege beschäftigt haben, stand wiederum die
eigentlich merkantile, die Handelspolitik; und nur von ihrem
wenngleich an sich schon ziemlich verworrenen Getriebe her
läßt sich eigentlich das Ganze der Wirtschafts⸗ und Sozial⸗
politik Friedrichs in seinen konkreten Außerungen begreifen.
Für eine preußische Handelspolitik des 18. Jahrhunderts
machte sich dabei schon als Voraussetzung ein Moment geltend,
das in Österreich, wie wir sahen, erst in noch sehr ursprüng—
lichen Formen auftrat: die Einheit des Staates.
Auch Friedrich ist es freilich noch nicht gelungen, seinen
Staat in jedem Sinne zu einer vollen einheitlichen Persönlichkeit
umzuschmelzen. Aber er hat doch überaus erfolgreiche Schritte
dazu getan. Seit den fünfziger Jahren entwickelte er in
steigendem Maße eine Anschauung, zu der allerdings schon
durch die Politik Friedrich Wilhelms J., ja des Großen Kur⸗
fürsten der Grund gelegt, ja sogar ein gewisser Aufbau bereits
geleistet worden war!, daß es nämlich möglich sein müßte,
wenn nicht den ganzen Staat, so doch mindestens dessen mittlere
Provinzen, die Marken, Pommern, Magdeburg und Halberstadt
eben auf dem Wege der Handelspolitik zu einem gemeinsamen
Wirtschaftsgebiete mit Berlin als Industriemittelpunkt und der
Oder als Hauptverkehrsader zusammenzufassen, wobei von den
1S, oben S. 697f.