Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

150 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
europäische Charakter des Krieges in Kombinationen zu enthüllen 
begann, die wenigstens ein neues Aufblitzen seines Sternes be⸗ 
deuteten. Schon längst hatten die Operationen des Landheeres der 
Koalition darunter gelitten, daß diese keine Flotte besaß. Wie 
sehnsüchtig hat doch der Große Kurfürst in dieser Zeit nach 
dem Besitze von Schiffen ausgeschaut! Aber es kam nur zu 
einer Denkschrift über ein brandenburgisches Reichsadmiralat 
und zu unfruchtbaren Bestellungen in Holland — gründlich 
vorüber war es mit einer deutschen Seegewalt. Da hätten nun 
die Niederländer helfen können. Aber ihre Flotte regte sich 
nicht! Denn die Generalstaaten scheuten schon den Kampf mit 
England, dem neuen Rivalen, dessen Orlogsflotte Karl Gustav 
Grund hatte für einen Eingriff zu seinen Gunsten zu erwarten. 
Unter diesen Umständen war es für die Koalition von 
militärischen und diplomatischen Erwägungen her gleich nutzlos, 
ferner auf dem dänischen Festlande zu verharren, während ihr 
beim Angriffe auf die Stellungen Schwedens in den eigent⸗ 
lichen baltischen Küstenländern ganz andere Erfolge winkten. 
Und so drang denn im August 1659 eine zweite kaiserliche 
Armee unter De Souches von Schlesien her gegen Pommern 
vor und begann die Einschließung Stettins, während die dänische 
Armee des Großen Kurfürsten sich von Westen her diesen 
Gegenden näherte; und gleichzeitig fast nahmen die Polen 
Westpreußen ein und verlor Schweden seinen kurländischen 
Besitz: es konnte scheinen, als sei das Ende der zentraleuro⸗ 
päischen Festlandsstellung Schwedens nahe herbeigekommen. 
Aber gerade diese Wendung sowie wohl auch das Er— 
scheinen einer englischen Flotte neben der niederländischen in 
der Ostsee machte nun noch eine letzte europäische Macht 
mobil: Frankreich. 
Das Interesse Frankreichs an der Entwicklung der politi— 
schen Verhältnisse im europäischen Nordosten war ein sehr 
klares und ist sich lange Zeit hindurch gleich geblieben: Frank—⸗ 
reich benutzte Schwedens Festlandstellung in den deutschen 
Küstengebieten zur Beherrschung des Reiches, da ihm gerade 
in Schweden ständig ein um ein billiges zu erkaufender mili—
	        
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