Full text : Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch.

kalisch, und zwar ausschließlich fürstlich geworden. Denn fast
nur die Fürsten kontrahierten schwebende Anleihen; die Städte
und andere öffentliche Gewalten taten es nur in äußerster Not,
während sie sonst, und so namentlich die Städte, bei der her⸗
kömmlichen soliden Ausgabe von Rentenbriefen blieben: so hat
z. B. Nürnberg nur einmal im Markgrafenkriege, als rasch
ungewöhnliche Geldmittel flüssig gemacht werden mußten, eine
schwebende Anleihe aufgenommen.
Innerhalb des fiskalischen Geldverkehrs aber ergab sich
bald eine für Oberdeutsche und Genuesen, im weiteren Sinne
aber überhaupt für Deutsche und Italiener verhängnisvolle
Entwicklung. Während nämlich die deutschen Fürsten auf den
internationalen Geldmärkten wenig Anleihen aufnahmen, da
sie nicht den entsprechenden Kredit genossen, und während damit
Deutschland auf diesen Märkten ebensowenig in Betracht kam
als Italien, versuchten Frankreich und England, ihr Finanz⸗
wesen immer mehr zu nationalisieren. Für das deutsche und
auch das italienische Kapital blieben daher, wenn auch nament⸗
lich an Frankreich noch lange geliehen wurde, je länger, je
mehr doch nur Portugal und vor allem Spanien große Kunden,
denn dort gab es nur wenige Kapitalisten, die der Regierung
des Landes mit größeren Anleihen dienen konnten und wollten.
Nun stellte es sich aber bald heraus, daß insbesondere
Spanien der unsolideste und kreditunwürdigste aller Staaten
war: nicht weniger als sechsmal während des Verlaufes noch
nicht eines vollen Jahrhunderts, 1557, 1575, 1596, 1607,
1627, 1647, hat es Staatsbankrotte erlebt und Zwangs—
konsolidationen durchgeführt.
Bedarf es da noch einer genaueren Schilderung der Rück—
wirkung dieser Vorgänge auf den deutschen Nationalreichtum?
An Spanien, in zweiter Linie auch an Frankreich hat die
Nation den größten Teil der Summen verloren, die sie die
blühenden Zeiten ihrer Volkswirtschaft im 14. und 15. Jahr—
hundert hatten ersparen lassen.
Die erste Periode dieser Verluste wurde eigentlich schon
mit dem Jahre 1552 eingeleitet: damals begann jener erste
            
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