Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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SZweiundzwanzigstes Buch 
huldigte, daß das Genie ein göttlicher Funke unbegreiflichen 
Urspunges sei? 
Und auf dem Gebiete der Ästhetik hatte sich eine ähnliche 
Wendung gezeigt. Gewiß hatte man sich hier von der alten 
Vollkommenheits- und Vergnügenslehre des Rationalismus 
losgelöst und war einer subjektivistisch begrundeten Theorie 
der Kunst zugestürmt, indem man nicht mehr nach der Eigen— 
schaft des Kunstwerkes, sondern des Künstlers gefragt hatte: 
indes zugleich hatte man dadurch, daß man fast jedem prak— 
tischen Wollen die Notwendigkeit ästhetischer Veranlassung 
unterlegte, die Moral in die Lehre von den Künsten ein— 
geführt und mit ihr jene Fülle transzendenter Anschauungen, 
die sich an diese knüpften. 
So begreift es sich, wenn die neue, doch vornehmlich auf 
psychologischer und ästhetischer Grundlage rasch aufgezimmerte 
Weltanschauung dieser Zeiten auch von stärksten metaphysischen 
Elementen durchtränkt war. Und deutlich wirkte darum auf 
diesem Gebiete noch der Einfluß der letzten großen Meta— 
physiker der Vergangenheit nach. Auf Spinoza ging die Auf—⸗ 
fassung zurück, daß Gott die immanente Weltursache sei, auf 
Leibniz die Anschauung der Welt als eines Systems wirkender 
Kräfte. Gewiß war mit der Entwicklung dieser Sätze die 
eigentlich ontologistische Grundlage der Systeme Spinozas und 
vor allem Leibnizens beseitigt: die Monaden erschienen nicht 
mehr als raum- und zeitlos, abstrakt und intellektualistisch ge— 
dachte Wesen, sondern waren zu mystischen Weltkräften ge— 
worden, und der leibnizischen Kontinuität drohte auch schon 
ihr raum- und zeitloser Charakter verloren zu gehen: allein 
noch immer blieb doch die Vorstellung von der Selbständigkeit, 
Freiheit, Unsterblichkeit, graduellen Verschiedenheit und Ziel— 
strebigkeit dieser wirkenden Kräfte bestehen und damit ein 
durchaus metaphysisches Element des neuen subjektivistischen 
Empirismus. Folge wie Ursache dieser halben Wandlung war, 
daß an die Stelle des abstrakten ein konkreter Universalismus 
und an die Stelle des denkhaften Ontologismus schon jetzt 
ein tatsächlicher Mystizismus idegalistischen Charakters trat, daß
	        
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