Full text : Einführung in das Studium der Konjunktur

124  Dritter  Abschnitt.  Einfluß  des  Konjunkturwandels  und  der  Krisen.

Betriebserweiterungen,  hat  man  doch  in  dieser  Zeit  Sorge  genug,
die  einmal  vorhandene  Leistungsfähigkeit  des  Betriebes  voll  oder
auch  nur  annähernd  auszunützen.
Dieser  Wandel  läßt  sich  am  deutlichsten  an  den  Veränderungen
beobachten,  welche  sich  bei  einem  Umschwung  der  Konjunktur  auf
dem  Kapital-  und  Geldmärkte  vollziehen.
Ist  es  doch  der  Kapital-  und  Geldmarkt,  welcher  dem  Unternehmer ­
  und  Kaufmann  über  den  Umweg  der  Kreditgewährung  die
Mittel  zur  Verfügung  stellt,  als  Käufer  auf  dem  Gütermarkte  aufzutreten, ­
  entweder,  um  vielleicht  so  die  Mittel  zu  Betriebserweiterungen ­
  und  Schaffung  neuer  Anlagen  oder  zum  Ankauf  von  Rohstoffen, ­
  oder  auch  zu  Lohnzahlungszwecken,  zu  erhalten.
Der  Geldmarkt  ist  dabei  der  Markt  für  die  Gewährung  von
kurzfristigen  Krediten.  Auf  ihm  handelt  es  sich  in  erster  Linie  um
den  Wechsel-,  Lombard-  und  Kontokorrentkredit,  auch  um  die  Gewährung ­
  von  Börsenkrediten,  die  natürlich  in  verschiedenen  Formen,
die  eben  zum  Teil  bereits  genannt  worden  sind,  gegeben  werden
können.  Der  Kapitalmarkt  ist  dagegen  der  Markt  der  langfristigen ­
  Kredite.  Hier  handelt  es  sich  vornehmlich  um  die  Emission
von  Aktien,  Kuxen,  Industrieobligationen,  um  die  Befriedigung  des
Anleihebedürfnisses  der  öffentlichen  Körperschaften  und  um  die
Gewährung  von  Mitteln  für  die  Beleihung  des  Boden-  und  Grundr
besbzes.  Dabei  lassen  sich  beide  Märkte  ebensowenig  wie  die  Vorgänge, ­
  die  sich  auf  ihnen  abspielen,  immer  glatt  und  sauber  voneinander ­
  trennen 1 ).
Von  dieser  Unterscheidung  von  Geld-  und  Kapitalmarkt  wird  im
folgenden  noch  häufiger  die  Rede  sein,  da  den  Vorgängen  auf  ihnen
für  die  Beobachtung  des  Konjunkturwandels  eine  sehr  große  Bedeutung ­
  zukommt.  Das  gilt  vor  allem  im  Hinblick  auch  dafür,  welch
verschiedene  Verwendung  die  Mittel,  welche  beiden  Märkten  entnommen ­
  sind,  im  Wandel  der  Konjunktur  haben  können.  Wenn
die  Konjunktur  sich  in  aufsteigender  Linie  bewegt,  wenn  der  Güterumsatz ­
  in  der  Volkswirtschaft  ein  großer  ist,  wenn  viel  gekauft  und
verkauft  wird,  wenn  in  der  Industrie  sich  ein  Streben  nach  Neugründungen ­
  und  Neuanlagen  zeigt,  dann  ist  auch  allenthalben  in  der
Volkswirtschaft  das  Kreditbedürfnis  ein  sehr  großes,  dann  herrscht
auf  beiden  Märkten  eine  rege  Nachfrage  nach  den  auf  ihnen  zur

J)  Vgl.  dazu  Beckerath.  Kapital-  und  Geldmarkt.  Jena  1916,  und
Spiethoff,  Der  Begriff  des  Kapital-  und  Geldmarktes.  Jahrb.  für  Gesetzgebung, ­
  Verwaltung  u.  Volkswirtschaft.  44.  Jahrgang  1920.
            
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