Die Frühromantik.
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Konzeption des Subjektivismus ist erreicht, die auch uns noch
heute voranleuchtet, vor der es keine Schuld gibt als Selbst⸗
aufgabe, vor der auch der gefallenen Liebe Gretchens, weil sie
Liebe ist, nicht irgendwelche Verzeihung, sondern die Gerechtig⸗
keit des reinst Menschlichen winkt.
Und dies ist es denn, was unser in solchem Besitze glück—
liches Volk als das Höchste an seinem größten Dichter ver—⸗
ehren darf: die unbedingte, erhabene Universalität des modernen
Menschen. In ihr hat Goethe leben und sterben wollen.
Dabei war aber der Dichter jeder Verblasenheit des
Denkens, jeder Verwaschenheit der Empfindung fern. Er sah
es wohl: „wir leben in einer Zeit, wo wir uns täglich mehr
angeregt fühlen, die beiden Welten, denen wir angehören, die
obere und die untere, als verbunden zu betrachten, das Ideelle
im Reellen anzuerkennen und unser jeweiliges Mißbehagen mit
dem Endlichen durch Erhebung ins Unendliche zu beschwich—
tigen.“ Aber darum blieb er doch einem kosmopolitischen oder
gar rein mystischen Ausruhen in den Spekulationen etwa
Schellings fremd, so sehr er sie und ihren Autor schätzte.
Und wohl meinte er, in einem engeren Bereiche des Denkens,
es gäbe keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissen—
schaft: beide gehörten, wie alles hohe Gute, der ganzen Welt
an und könnten nur durch freie Wechselwirkung aller zugleich
Lebenden in steter Rücksicht auf das, was uns vom Ver—
gangenen übrig und bekannt ist, gefördert werden. Und so
traten ihm neben die Götter und Mythen Griechenlands die
Heiligen und die Künste des abendländischen Mittelalters und
späterer Zeiten, und zur Seite indischer Weisheitslehren sang
ihm Hafis, der Dichter des persischen Ostens.
Aber durchaus irren würde, wer diese Weite des Blickes
bei Goethe mit Kurzsichtigkeit für das Nähere gepaart wähnte.
Im Gegenteil: die Anteilnahme des Greises gehörte je länger
je mehr auch dem Nachbar, dem Landsmann, dem Vaterland.
„Sehen wir unsere Literatur über ein halbes Jahrhundert zurück,
so finden wir, daß nichts um der Fremden willen geschehen ist.“
„Jetzt, da sich eine Weltliteratur einleitet, hat, genau besehen,
Lamvbrecht. Deutfsche Geschichte. X. 0